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[- Eßstörung -]

 

Immer wieder hört und liest man von Essstörungen, doch immer wieder wird es gerade auch von den Betroffenen nicht ernst genug genommen. Und was heißt es eigentlich, eine Essstörung zu haben? Wie beginnt und verläuft das und wie fühlt sich ein Betroffener? Wie kann es enden und was kann man tun?

Fragen über Fragen, die ich versuchen möchte grob zu beantworten, was nicht sehr einfach werden wird, da dieses Thema seit Jahren Bücher füllte und weiter füllt, so dass ich es leider nur anschneiden kann und versuchen möchte, das Wichtigste kurz zusammen zu fassen.

Eßstörung © Sirpa Weiler

Spezielle Fragen können dann immer gestellt werden Essstörung ist der Überbegriff von Magersucht, Esssucht und Essbrechsucht (die letzten beiden unter Bulimie in medizinischen Lexika zu finden, obwohl in der Umgangssprache nur die Essbrechsucht als Bulimie bezeichnet wird). Egal, um welche Essstörung es sich handelt, sie ist langfristig gesehen eine Krankheit, die zum Tode führt!

Ich weiß das klingt krass und unglaublich, doch es ist eine Tatsache und deswegen so wichtig, dieses Thema mehr als ernst zu nehmen. Essstörungen haben alle die gleiche oder eine ähnliche Symptomatik. Essgestörte Menschen sehen ihre Krankheit nicht als Problem, sehen nicht einmal, dass sie diese Krankheit haben, zumindest anfangs nicht und sehr lange Zeit eigentlich nicht. Sie lernen schnell, sich so gut selbst zu belügen, dass sie selbst davon überzeugt sind. Sie zerstören ihren Körper ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein oder sie wissen es und kommen dann schon nicht mehr aus diesem Teufelskreis [alleine] heraus. Die Sucht will sie nicht gehen lassen und es gibt immer neue Ausreden, warum man es aufschiebt zum Arzt oder zu sonst einer Hilfestelle zu gehen.

Immer wieder finden sie blitzschnell neue Ausreden ["Ach nur noch 2 Kilo, dann bin ich vollauf zufrieden...", "Nur noch dieses eine Mal, das kann ja nicht schaden" "Ich habe gerade so viele Klausuren, da ist keine Zeit zu" "Ich kann doch jetzt nicht..] etc] und machen munter weiter nach dieser gekonnten Verdrängung, anstatt zu begreifen, dass sie es ohne Hilfe eben NICHT schaffen und es KEINE Zeit gibt, es weiter aufzuschieben!

Mit der Zeit dreht sich im Leben eines Essgestörten alles nur noch allein um seine Sucht, ohne das er das merken muss. Seine Gedanken im Hinterkopf drehen sich einzig und allein um das Thema Essen und wie man am besten vor anderen vertuschen kann, dass man nicht ";normal" mit Essen umgeht, um "lästigen" Fragen aus dem Weg gehen zu können ("Hoffentlich sagt keiner was, dass ich noch ein 4. Stück Kuchen nehme", "Was sage ich bloß, wenn jemand fragt, warum ich nichts mit esse?").

Zwar hört sich das an, als wüssten der Betroffenen genau, dass sie eine Essstörung haben, jedoch ist das meist absolut kein Thema für sie. Sie würden nicht im Traum darauf kommen, dass sie eine Art dieser Krankheit haben. Um eine Essstörung zu verbergen, muss man lügen und diese Lügen werden so selbstverständlich, dass der Süchtige sich sagt, dass da nichts Schlimmes dran sei, schließlich "geht es ja keinen was an". Sie lügen, um ihre Sucht zu schützen ohne das zu wissen ("Ich habe schon zuhause gegessen", " Das Kilo Schnitzel roch komisch, da hab ich's weggeschmissen", "Ich hatte ne Magendarmgrippe und musste mich deshalb übergeben, geht aber schon wieder...").

Auch die äußeren Anzeichen werden schnell überlogen ("Mein Übergewicht liegt in der Familie", "Ich habe es mit der Schilddrüse",...). Natürlich kann man diese Aussagen nicht verallgemeinern, schließlich gibt es wirklich Personen, bei denen diese und ähnliche Aussagen zutreffen, jedoch werden sie gerne von Essgestörten benutzt, da sie der Überzeugung sind, dass man ihnen ihre Ausrede so ohne Widerworte abnimmt, denn niemand würde z. B. gerne zugeben, dass er heimlich Unmengen isst, hungert oder sich übergibt.

Sollte dies jedoch doch einmal herauskommen, dann wird nicht etwa eingesehen, dass man krank ist, sondern es werden einfach neue, "bessere" Ausreden gefunden [der Betroffene fühlt sich nicht selten peinlich berührt], um den Umstand zu erklären. Möglichweise verlagert der Süchtige auch einfach seine Sucht. D. h. ein Esssüchtiger will abnehmen, dass andere sehen, dass er doch keine Fressattacken hat. Er möchte aber auch nicht wirklich auf sein geliebtes Essen verzichten, dass ihn durchaus glücklich macht. Also sucht er sich die Alternative und verlagert seine Esssucht z. B. "einfach" in die Essbrechsucht ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein.

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Was bedeutet es also im Einzelnen eine Essstörung zu haben
und welche verheerenden Folgen kann dies haben?

Magersüchtig [Anorexia nervosa] ist, wer gänzlich oder auf das minimal Möglichste beschränkt sein Essen reduziert und bei jedem noch so kleinen Bissen ein schlechtes Gewissen bekommt. Anfangs muss das gar nicht auffallen, schließlich kann man lange behaupten, einfach nur eine Diät zu machen.
Mit der Zeit nimmt man jedoch nicht nur an Gewicht ab, sondern auch schnell am Vitaminhaushalt. Die Haut wird "durchsichtig", der Blutdruck sinkt in den Keller und es wird schnell zur Gewohnheit, schwarz vor Augen zu sehen. Das Hungergefühl verliert man noch schneller, da der Magen sich zusammenzieht und man sich schon gemästet fühlt, wenn man statt 1 Apfel noch ein Naturjoghurt dazugegessen hat.


Nicht selten bekommen Magersüchtige schmerzhafte Darmverschlüsse und Nierenschäden. Zähne, Nägel und Haare werden brüchig und anfällig. Auch das Immunsystem fällt oft in sich zusammen. Genau wie der Bulimiker, sagt sich der Magersüchtige oft, er wolle nur hier und da ein Kilo abnehmen, auch wenn er gar keine Fettpolster mehr hat.
Das eigene Körperbild ist so sehr verzerrt, dass er wirklich glaubt, zu dick zu sein und das kann ihm auch überhaupt niemand ausreden. ("nur noch 2 Kilo, dann hab ich mein Traumgewicht...") " doch es bleibt nicht bei diesen einmaligen 2 Kilo. es sind immer und immer wieder 2 Kg, aber der Betroffenen redet sich tatsächlich gekonnt ein, dass es nur diese einmaligen 2 kg sind.

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Bulimie [griech.: "Ochsenhunger"/ Bulimia nervosa] bezeichnet maßlose Fressattacken, die anfangs noch so selten sein können, dass man sie gar nicht als Gefahr erkennt. Jeder kennt ja die Fressorgien, die man ab und an mal hat. Werden diese "Anfälle" jedoch immer häufiger, kommt auch der Süchtige schnell auf die Frage, ob vielleicht irgendetwas nicht mit ihm stimmt, doch in rasender Geschwindigkeit ist eine sehr einleuchtende Antwort gefunden: " es schmeckt halt so gut". Nun trennt sich die Bulimie in 2 Richtungen: eben in die Esssucht oder eben in die umgangssprachliche Bulimie, der Essbrechsucht.

Der Essbrechsüchtige möchte auf keinen Fall zunehmen, jedoch genau wie der Esssüchtige, auf keinen Fall auf das leckere Essen soviel-rein-geht verzichten. Also steckt sich der Bulimiker den Finger [die Zahnbürste oder sonst ähnliches] in den Hals. Oder er nimmt Abführmittel oder aber er macht nach jeder Essattacke soviel Sport, dass er ausgelaugt das Gefühl hat, alles wieder abtrainiert zu haben (die so genannte "Sportbulimie").

In späteren Stadien ist es für den Essbrechsüchtigen nicht einmal mehr nötig den Finger zu benutzen, wenn er sich nach dem Essen übergibt. Dieses Ritual hat der Körper und die Psyche schon vollkommen übernommen. Nicht selten isst der Bulimiker danach sogar weiter... und die ganze Szenerie beginnt von vorne "weil's doch so gut schmeckt" (essen " übergeben " essen " übergeben...).

Schnell lernt der Bulimiker auch, dass es Lebensmittel gibt, die leichter wieder zu erbrechen sind als andere (Milchprodukte aller Art und Milch zu jedem "trockenen" Essen, Majonaise, viel Sauce,...) und nimmt diese dann vorzugsweise zu sich. Bulimiker können auch noch Stunden nach dem Essen, sich dessen wieder entledigen, sollten sie nicht direkt danach die Möglichkeit dazu gehabt haben.

So seltsam es für Außenstehende klingen mag, den Bulimiker wie dem Esssüchtigen macht es mehr oder minder glücklich sich übermäßig "vollzustopfen". Beide haben mit der Zeit weder Hunger- noch Sättigungsgefühl. Sie essen aus Frust oder aus Lust solange, bis sie sich gemästet fühlen <- dann sich aber nicht mehr "glücklich" fühlen.

Auch ihr Körperbild ist vollkommen verzerrt. Sie registrieren einzig und allein durch diese Übersättigung, dass sie existieren. Fühlen SICH und somit auch wohl. Der Körper jedoch zeigt keine Begeisterung, denn beim Bulimiker können schnell Magengeschwüre und -blutungen auftreten, schmerzhafte Darmverschlüsse durch die Abführmittel, faulende Zähne durch die Magensäure beim Übergeben, vollkommener Vitaminmangel und dadurch flaumige Haut und ein schwaches Immunsystem.

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Der Esssüchtige [Bulimie] muss mit Bluthochdruck kämpfen, Venenverengung und oft sogar Herzleiden, weil das Pumporgan die immense Anstrengung durch die wachsenden Körpermassen nicht mehr bewältigt. Auch die Knochen werden schwer belastet, der Fettgehalt, der Cholesterinspiegel und die Harnsäure tränken das Blut völlig, wobei es dicklich wird und schlecht durch Venen und Herz transportiert werden kann.

Ein Esssüchtiger sagt sich im umgekehrten Falle ebenfalls, "was macht schon das eine Kilo mehr aus, darauf kommt es ja jetzt nun wirklich nicht [mehr] an" und auch er begreift nicht, dass es nicht nur dieses eine Kilo ist, sondern IMMER WIEDER dieses eine Kilo.

Depressionen sind keine Seltenheit. Sie fühlen sich selbst hässlich, hassen ihren Körper und denken, deswegen könne sie keiner leiden " das gilt für alle essgestörten Menschen]. Spricht man sie (freundlich/ führsorglich) auf ihre Figur an ("meinst du nicht, es wäre vielleicht besser...", "komm wir gehen zusammen ins Fitness-Studio"), dann nehmen sie dies absolut persönlich und glauben tatsächlich, ihr Gegenüber könne sie deswegen auf einmal weniger leiden. Aggressive Antworten/ Reaktionen sind keine Seltenheit und sie isolieren sich selbst, wobei sie sich einreden, dass keiner mehr etwas mit ihnen zu tun haben möchte. So unrealistisch ihr Bild auch ist und sie alles missmutig auf ihr Aussehen schieben, sie sind nicht fähig, etwas daran zu ändern. Im Gegenteil. Sie gehen noch öfter zum Kühlschrank, um die Enttäuschung wegzuessen und wieder "glücklich" zu sein. Außerdem vernachlässigen sie sich meist auch mit der Zeit. Sehen keinen Sinn darin, sich täglich zu duschen oder mal neue Klamotten zu kaufen.

Natürlich erreicht man diese Stadien nicht am Anfang. Es zieht sich fast unmerklich hin. Es beginnt schon mit dem kleinsten Selbstbetrug, der sich immer wieder wiederholt ("nur noch die 2 Kilo", "mir kann das nicht passieren, ich hab mich im Griff, ich kann aufhören, wann ich will"). Nach einer Ausrede kommt die nächste, ohne dass es im Innern auch nur die kleinste Alarmglocke schlagen lässt ("ich doch nicht...").

Niemand jedoch, kann einen Essgestörten klar machen, dass er Hilfe braucht, auch kann man ihn genauso wenig dazu zwingen, es einzusehen wie auch bei einem Alkoholiker. Es ist die absolut gleiche Art von Suchtverhalten! Der Süchtige muss ganz alleine darauf kommen, dass er krank ist und er muss ganz alleine einsehen, dass er es alleine nicht schafft; dass er Hilfe braucht! Das ist der erste und der schwerste Schritt in Richtung Genesung. Ohne therapeutische Hilfe schafft er es nicht aus diesem Teufelskreis "Sucht" herauszukommen, weil die Ursachen viel tiefer liegen, als nur das "Schönheitsideal in den Medien".

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Ursachen

Die Ursache kann wirklich alles sein (Kindheit, Gewalt, sexueller Missbrauch/ -Nötigung/ Vergewaltigung, Tod eines geliebten Menschen, Vernachlässigung als Kind, Co-Abhängigkeit weil z. B. ein Familienmitglied suchtkrank ist, egal von welchem Suchtmittel, Trauma, miterlebter Unfall, Scheidung, Mobbing....) meist ist es sogar etwas, auf das man nicht mal nach langem Nachdenken kommt, nicht weil man sich nicht erinnert, sondern weil man es vielleicht gar nicht mehr für so schlimm ansieht.

Und um die Ursache herauszufinden und diese zu bearbeiten, ist ein Therapeut nötig, der sich auf Essstörungen spezialisiert hat. In jeder Stadt gibt es heutzutage Ansprechpartner und Gruppen, die weiterhelfen können (bloß nicht Weight-Watchers!!). Und die Ausrede "wenn ich mein Leben ändere, kommt das mit dem Essen von allein wieder in Ordnung", gilt nicht, denn die Essstörung bleibt nicht in der alten Wohnung, weil man umzieht!

Warum schreibe ich darüber? Ich hatte vor einigen Jahren selbst eine Essstörung und wog am Schluss 130kg. Nach einer Therapie in einer Kurklinik und eisernem Willen, kann ich stolz sagen: ich bin gesund! und habe nach Bewältigung meiner Ursachen von ganz alleine (gesund) über 36 kg abgenommen. Falls Ihr Adressen braucht oder Fragen habt, dann meldet Euch. Und übrigens:
Lasst bloß die Finger von Diäten und vom Kalorien-Zählen! Das macht den Stoffwechsel kaputt und der Körper kann nicht von einer Diät und einer Hungersnot unterscheiden. Er legt das doppelte des Abgenommenen wieder an (Jojo-Effekt), damit er auf die nächste "Hungersnot" vorbereitet ist.

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Hilfe

Hilfe findet Ihr in jeder größeren Stadt. Dort gibt es Selbsthilfegruppen, allerdings ersetzen diese keinen Gang zum Arzt. Eine wirklich erfolgreiche Heilung/ Therapie kann nur in einer Psychosomatischen Kurklinik erfolgen. Der Hausarzt, die Krankenkassen und auch ambulante Therapeuten & Psychologen, die sich auf Essstörungen spezialisiert haben, geben gerne unterstützende Hilfe bei der Suche nach der richtigen Klink.

Empfehlenswert [weil durch eigene Erfahrung kennend] ist die Klinik Schwedenstein nahe Dresden. [Dort wird nicht nur die Essstörungen behandelt, auch Traumata, Tinitus, Borderline sind dort als eigene Stationen vertreten.]

» klinik-schwedenstein.de

Auch für angehörige gibt es eine Anlaufstelle in größeren Städten in Form von Selbsthilfegruppen und ähnlichem.

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