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Eßstörung -]
Immer
wieder hört und liest man von Essstörungen,
doch immer wieder wird es gerade auch von
den Betroffenen nicht ernst genug genommen.
Und was heißt es eigentlich, eine Essstörung
zu haben? Wie beginnt und verläuft das
und wie fühlt sich ein Betroffener? Wie
kann es enden und was kann man tun?
Fragen
über Fragen, die ich versuchen möchte
grob zu beantworten, was nicht sehr einfach
werden wird, da dieses Thema seit Jahren Bücher
füllte und weiter füllt, so dass
ich es leider nur anschneiden kann und versuchen
möchte, das Wichtigste kurz zusammen
zu fassen.
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Spezielle
Fragen können dann immer gestellt werden Essstörung
ist der Überbegriff von Magersucht, Esssucht
und Essbrechsucht (die letzten beiden unter Bulimie
in medizinischen Lexika zu finden, obwohl in der
Umgangssprache nur die Essbrechsucht als Bulimie
bezeichnet wird). Egal, um welche Essstörung
es sich handelt, sie ist langfristig gesehen eine
Krankheit, die zum Tode führt!
Ich weiß das klingt krass
und unglaublich, doch es ist eine Tatsache und deswegen
so wichtig, dieses Thema mehr als ernst zu nehmen.
Essstörungen haben alle die gleiche oder eine
ähnliche Symptomatik. Essgestörte Menschen
sehen ihre Krankheit nicht als Problem, sehen nicht
einmal, dass sie diese Krankheit haben, zumindest
anfangs nicht und sehr lange Zeit eigentlich nicht.
Sie lernen schnell, sich so gut selbst zu belügen,
dass sie selbst davon überzeugt sind. Sie zerstören
ihren Körper ohne sich dessen wirklich bewusst
zu sein oder sie wissen es und kommen dann schon
nicht mehr aus diesem Teufelskreis [alleine] heraus.
Die Sucht will sie nicht gehen lassen und es gibt
immer neue Ausreden, warum man es aufschiebt zum
Arzt oder zu sonst einer Hilfestelle zu gehen.
Immer wieder finden sie blitzschnell
neue Ausreden ["Ach nur noch 2 Kilo, dann bin
ich vollauf zufrieden...", "Nur noch dieses
eine Mal, das kann ja nicht schaden" "Ich
habe gerade so viele Klausuren, da ist keine Zeit
zu" "Ich kann doch jetzt nicht..] etc]
und machen munter weiter nach dieser gekonnten Verdrängung,
anstatt zu begreifen, dass sie es ohne Hilfe eben
NICHT schaffen und es KEINE Zeit gibt, es weiter
aufzuschieben!
Mit der Zeit dreht sich im Leben
eines Essgestörten alles nur noch allein um
seine Sucht, ohne das er das merken muss. Seine
Gedanken im Hinterkopf drehen sich einzig und allein
um das Thema Essen und wie man am besten vor anderen
vertuschen kann, dass man nicht ";normal"
mit Essen umgeht, um "lästigen" Fragen
aus dem Weg gehen zu können ("Hoffentlich
sagt keiner was, dass ich noch ein 4. Stück
Kuchen nehme", "Was sage ich bloß,
wenn jemand fragt, warum ich nichts mit esse?").
Zwar hört sich das an, als
wüssten der Betroffenen genau, dass sie eine
Essstörung haben, jedoch ist das meist absolut
kein Thema für sie. Sie würden nicht im
Traum darauf kommen, dass sie eine Art dieser Krankheit
haben. Um eine Essstörung zu verbergen, muss
man lügen und diese Lügen werden so selbstverständlich,
dass der Süchtige sich sagt, dass da nichts
Schlimmes dran sei, schließlich "geht
es ja keinen was an". Sie lügen, um ihre
Sucht zu schützen ohne das zu wissen ("Ich
habe schon zuhause gegessen", " Das Kilo
Schnitzel roch komisch, da hab ich's weggeschmissen",
"Ich hatte ne Magendarmgrippe und musste mich
deshalb übergeben, geht aber schon wieder...").
Auch die äußeren Anzeichen
werden schnell überlogen ("Mein Übergewicht
liegt in der Familie", "Ich habe es mit
der Schilddrüse",...). Natürlich
kann man diese Aussagen nicht verallgemeinern, schließlich
gibt es wirklich Personen, bei denen diese und ähnliche
Aussagen zutreffen, jedoch werden sie gerne von
Essgestörten benutzt, da sie der Überzeugung
sind, dass man ihnen ihre Ausrede so ohne Widerworte
abnimmt, denn niemand würde z. B. gerne zugeben,
dass er heimlich Unmengen isst, hungert oder sich
übergibt.
Sollte
dies jedoch doch einmal herauskommen, dann wird
nicht etwa eingesehen, dass man krank ist, sondern
es werden einfach neue, "bessere" Ausreden
gefunden [der Betroffene fühlt sich nicht selten
peinlich berührt], um den Umstand zu erklären.
Möglichweise verlagert der Süchtige auch
einfach seine Sucht. D. h. ein Esssüchtiger
will abnehmen, dass andere sehen, dass er doch keine
Fressattacken hat. Er möchte aber auch nicht
wirklich auf sein geliebtes Essen verzichten, dass
ihn durchaus glücklich macht. Also sucht er
sich die Alternative und verlagert seine Esssucht
z. B. "einfach" in die Essbrechsucht ohne
sich dessen wirklich bewusst zu sein.
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Was
bedeutet es also im Einzelnen eine Essstörung
zu haben
und welche verheerenden Folgen kann dies haben?
Magersüchtig
[Anorexia nervosa] ist, wer gänzlich
oder auf das minimal Möglichste beschränkt
sein Essen reduziert und bei jedem noch so kleinen
Bissen ein schlechtes Gewissen bekommt. Anfangs
muss das gar nicht auffallen, schließlich
kann man lange behaupten, einfach nur eine Diät
zu machen.
Mit der Zeit nimmt man jedoch nicht nur an Gewicht
ab, sondern auch schnell am Vitaminhaushalt. Die
Haut wird "durchsichtig", der Blutdruck
sinkt in den Keller und es wird schnell zur Gewohnheit,
schwarz vor Augen zu sehen. Das Hungergefühl
verliert man noch schneller, da der Magen sich zusammenzieht
und man sich schon gemästet fühlt, wenn
man statt 1 Apfel noch ein Naturjoghurt dazugegessen
hat.
Nicht selten bekommen Magersüchtige schmerzhafte
Darmverschlüsse und Nierenschäden. Zähne,
Nägel und Haare werden brüchig und anfällig.
Auch das Immunsystem fällt oft in sich zusammen.
Genau wie der Bulimiker, sagt sich der Magersüchtige
oft, er wolle nur hier und da ein Kilo abnehmen,
auch wenn er gar keine Fettpolster mehr hat.
Das eigene Körperbild ist so sehr verzerrt,
dass er wirklich glaubt, zu dick zu sein und das
kann ihm auch überhaupt niemand ausreden. ("nur
noch 2 Kilo, dann hab ich mein Traumgewicht...")
" doch es bleibt nicht bei diesen einmaligen
2 Kilo. es sind immer und immer wieder 2 Kg, aber
der Betroffenen redet sich tatsächlich gekonnt
ein, dass es nur diese einmaligen 2 kg sind.
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Bulimie
[griech.: "Ochsenhunger"/ Bulimia nervosa]
bezeichnet maßlose Fressattacken, die anfangs
noch so selten sein können, dass man sie gar
nicht als Gefahr erkennt. Jeder kennt ja die Fressorgien,
die man ab und an mal hat. Werden diese "Anfälle"
jedoch immer häufiger, kommt auch der Süchtige
schnell auf die Frage, ob vielleicht irgendetwas
nicht mit ihm stimmt, doch in rasender Geschwindigkeit
ist eine sehr einleuchtende Antwort gefunden: "
es schmeckt halt so gut". Nun trennt sich die
Bulimie in 2 Richtungen: eben in die Esssucht oder
eben in die umgangssprachliche Bulimie, der Essbrechsucht.
Der Essbrechsüchtige möchte
auf keinen Fall zunehmen, jedoch genau wie der Esssüchtige,
auf keinen Fall auf das leckere Essen soviel-rein-geht
verzichten. Also steckt sich der Bulimiker den Finger
[die Zahnbürste oder sonst ähnliches]
in den Hals. Oder er nimmt Abführmittel oder
aber er macht nach jeder Essattacke soviel Sport,
dass er ausgelaugt das Gefühl hat, alles wieder
abtrainiert zu haben (die so genannte "Sportbulimie").
In späteren Stadien ist es
für den Essbrechsüchtigen nicht einmal
mehr nötig den Finger zu benutzen, wenn er
sich nach dem Essen übergibt. Dieses Ritual
hat der Körper und die Psyche schon vollkommen
übernommen. Nicht selten isst der Bulimiker
danach sogar weiter... und die ganze Szenerie beginnt
von vorne "weil's doch so gut schmeckt"
(essen " übergeben " essen "
übergeben...).
Schnell lernt der Bulimiker auch,
dass es Lebensmittel gibt, die leichter wieder zu
erbrechen sind als andere (Milchprodukte aller Art
und Milch zu jedem "trockenen" Essen,
Majonaise, viel Sauce,...) und nimmt diese dann
vorzugsweise zu sich. Bulimiker können auch
noch Stunden nach dem Essen, sich dessen wieder
entledigen, sollten sie nicht direkt danach die
Möglichkeit dazu gehabt haben.
So seltsam es für Außenstehende
klingen mag, den Bulimiker wie dem Esssüchtigen
macht es mehr oder minder glücklich sich übermäßig
"vollzustopfen". Beide haben mit der Zeit
weder Hunger- noch Sättigungsgefühl. Sie
essen aus Frust oder aus Lust solange, bis sie sich
gemästet fühlen <- dann sich aber nicht
mehr "glücklich" fühlen.
Auch
ihr Körperbild ist vollkommen verzerrt. Sie
registrieren einzig und allein durch diese Übersättigung,
dass sie existieren. Fühlen SICH und somit
auch wohl. Der Körper jedoch zeigt keine Begeisterung,
denn beim Bulimiker können schnell Magengeschwüre
und -blutungen auftreten, schmerzhafte Darmverschlüsse
durch die Abführmittel, faulende Zähne
durch die Magensäure beim Übergeben, vollkommener
Vitaminmangel und dadurch flaumige Haut und ein
schwaches Immunsystem.
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Der
Esssüchtige [Bulimie] muss
mit Bluthochdruck kämpfen, Venenverengung und
oft sogar Herzleiden, weil das Pumporgan die immense
Anstrengung durch die wachsenden Körpermassen
nicht mehr bewältigt. Auch die Knochen werden
schwer belastet, der Fettgehalt, der Cholesterinspiegel
und die Harnsäure tränken das Blut völlig,
wobei es dicklich wird und schlecht durch Venen
und Herz transportiert werden kann.
Ein Esssüchtiger sagt sich
im umgekehrten Falle ebenfalls, "was macht
schon das eine Kilo mehr aus, darauf kommt es ja
jetzt nun wirklich nicht [mehr] an" und auch
er begreift nicht, dass es nicht nur dieses eine
Kilo ist, sondern IMMER WIEDER dieses eine Kilo.
Depressionen sind keine Seltenheit.
Sie fühlen sich selbst hässlich, hassen
ihren Körper und denken, deswegen könne
sie keiner leiden " das gilt für alle
essgestörten Menschen]. Spricht man sie (freundlich/
führsorglich) auf ihre Figur an ("meinst
du nicht, es wäre vielleicht besser...",
"komm wir gehen zusammen ins Fitness-Studio"),
dann nehmen sie dies absolut persönlich und
glauben tatsächlich, ihr Gegenüber könne
sie deswegen auf einmal weniger leiden. Aggressive
Antworten/ Reaktionen sind keine Seltenheit und
sie isolieren sich selbst, wobei sie sich einreden,
dass keiner mehr etwas mit ihnen zu tun haben möchte.
So unrealistisch ihr Bild auch ist und sie alles
missmutig auf ihr Aussehen schieben, sie sind nicht
fähig, etwas daran zu ändern. Im Gegenteil.
Sie gehen noch öfter zum Kühlschrank,
um die Enttäuschung wegzuessen und wieder "glücklich"
zu sein. Außerdem vernachlässigen sie
sich meist auch mit der Zeit. Sehen keinen Sinn
darin, sich täglich zu duschen oder mal neue
Klamotten zu kaufen.
Natürlich
erreicht man diese Stadien nicht am Anfang. Es zieht
sich fast unmerklich hin. Es beginnt schon mit dem
kleinsten Selbstbetrug, der sich immer wieder wiederholt
("nur noch die 2 Kilo", "mir kann
das nicht passieren, ich hab mich im Griff, ich
kann aufhören, wann ich will"). Nach einer
Ausrede kommt die nächste, ohne dass es im
Innern auch nur die kleinste Alarmglocke schlagen
lässt ("ich doch nicht...").
Niemand
jedoch, kann einen Essgestörten klar machen,
dass er Hilfe braucht, auch kann man ihn genauso
wenig dazu zwingen, es einzusehen wie auch bei einem
Alkoholiker. Es ist die absolut gleiche Art von
Suchtverhalten! Der Süchtige muss ganz alleine
darauf kommen, dass er krank ist und er muss ganz
alleine einsehen, dass er es alleine nicht schafft;
dass er Hilfe braucht! Das ist der erste und der
schwerste Schritt in Richtung Genesung. Ohne therapeutische
Hilfe schafft er es nicht aus diesem Teufelskreis
"Sucht" herauszukommen, weil die Ursachen
viel tiefer liegen, als nur das "Schönheitsideal
in den Medien".
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Ursachen
Die Ursache kann wirklich alles
sein (Kindheit, Gewalt, sexueller Missbrauch/ -Nötigung/
Vergewaltigung, Tod eines geliebten Menschen, Vernachlässigung
als Kind, Co-Abhängigkeit weil z. B. ein Familienmitglied
suchtkrank ist, egal von welchem Suchtmittel, Trauma,
miterlebter Unfall, Scheidung, Mobbing....) meist
ist es sogar etwas, auf das man nicht mal nach langem
Nachdenken kommt, nicht weil man sich nicht erinnert,
sondern weil man es vielleicht gar nicht mehr für
so schlimm ansieht.
Und um die Ursache herauszufinden
und diese zu bearbeiten, ist ein Therapeut nötig,
der sich auf Essstörungen spezialisiert hat.
In jeder Stadt gibt es heutzutage Ansprechpartner
und Gruppen, die weiterhelfen können (bloß
nicht Weight-Watchers!!). Und die Ausrede "wenn
ich mein Leben ändere, kommt das mit dem Essen
von allein wieder in Ordnung", gilt nicht,
denn die Essstörung bleibt nicht in der alten
Wohnung, weil man umzieht!
Warum
schreibe ich darüber? Ich hatte vor einigen
Jahren selbst eine Essstörung und wog am Schluss
130kg. Nach einer Therapie in einer Kurklinik und
eisernem Willen, kann ich stolz sagen: ich bin gesund!
und habe nach Bewältigung meiner Ursachen von
ganz alleine (gesund) über 36 kg abgenommen.
Falls Ihr Adressen braucht oder Fragen habt, dann
meldet Euch. Und übrigens:
Lasst bloß die Finger von Diäten und
vom Kalorien-Zählen! Das macht den Stoffwechsel
kaputt und der Körper kann nicht von einer
Diät und einer Hungersnot unterscheiden. Er
legt das doppelte des Abgenommenen wieder an (Jojo-Effekt),
damit er auf die nächste "Hungersnot"
vorbereitet ist.
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Hilfe
Hilfe findet Ihr in jeder größeren
Stadt. Dort gibt es Selbsthilfegruppen, allerdings
ersetzen diese keinen Gang zum Arzt. Eine wirklich
erfolgreiche Heilung/ Therapie kann nur in einer
Psychosomatischen Kurklinik erfolgen. Der Hausarzt,
die Krankenkassen und auch ambulante Therapeuten
& Psychologen, die sich auf Essstörungen
spezialisiert haben, geben gerne unterstützende
Hilfe bei der Suche nach der richtigen Klink.
Empfehlenswert [weil durch eigene
Erfahrung kennend] ist die Klinik Schwedenstein
nahe Dresden. [Dort wird nicht nur die Essstörungen
behandelt, auch Traumata, Tinitus, Borderline sind
dort als eigene Stationen vertreten.]
»
klinik-schwedenstein.de
Auch
für angehörige gibt es eine Anlaufstelle
in größeren Städten in Form von
Selbsthilfegruppen und ähnlichem.

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