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Co-Abhängigkeit -]
Co-Abhängigkeit
- Co = mit = mitleidend = mitabhängig
oder auch "Beziehungssucht" genannt
Kurzerläuterung
Ein Co-Abhängiger braucht eine Person,
um die er sich kümmern kann oder bei
der er das Gefühl hat, dass er sich kümmern
muss und nur er noch helfen kann, dass es
dieser Person wieder besser geht. Ein Co-Abhängiger
kann schlecht bis gar nicht allein sein.
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Betroffen
kann jeder sein. Meist ist es in Bindungsbeziehungen
der Fall. Also Eltern - Kinder/ Freund oder Freundin
- Partnern, Geschwistern, Kollegen etc., aber auch
selbst Psychologen und Therapeuten könne co-abhängig
zu ihren Patienten sein. Die Schätzungen gehen
auf über 90% der Menschheit. Das heißt,
das 9 von 10 Menschen in irgendeiner Beziehung zu
jemandem co-abhängig sind.
Definitionen
zum Verständnis
Co-Abhängigkeit
ist eine Bezeichnung für Verhaltensweisen von
Bezugspersonen zu Suchtkranken jeder Art [Eßstörung,
Alkoholismus, Drogensucht, Spielsucht, Medikamentenabhängigkeit,..].
Der Co-Abhängige unterstützt meist unbewusst
das Suchtverhalten des Betroffenen und verhindert
so oft das rechtzeitige Behandeln dieser Sucht der
anderen Person.
Es
ist wie eine unbewusste Verbündung, obwohl
man glaubt, dass man der Person nur helfen möchte
bzw. würde. Das Helfen steht im Vordergrund
für einen Co-Abhängigen. Er will nur helfen,
bewirkt dadurch jedoch das Gegenteil und unterstützt
nicht den Süchtigen gegen seine Sucht anzugehen,
sondern hilft der Sucht stärker zu werden.
Außerdem ist diese Hilfe, die er gibt, sein
eigenes Suchtmittel wie für den Süchtigen
selbst die Drogen, der Alkohol oder dergleichen
dessen Suchtmittel ist.
Ein Co-Abhängiger sucht Ausreden
für den Süchtigen ["Meine Mutter
ist müde, sie wollte sich etwas hinlegen"
- in Wahrheit liegt sie besoffen auf dem Sofa und
kann sich nicht rühren vor lauter Betrunkenheit/
"Meine Freundin hat sich den Magen verdorben"
- In Wahrheit befindet sie sich auf dem Klo, um
sich den Finger in den Hals zu stecken, damit sie
nicht dicker wird von all dem guten Essen] - oder
er lügt für sich selbst [Anrufe beim Arbeitgeber,
man sei krank und in Wirklichkeit kümmert man
sich aber um den Süchtigen, weil es diesem
mal wieder nicht gut geht, etc.]
Oder er hilft, Suchtmittel zu besorgen,
in dem er Geld leiht, obwohl er weiß, dass
Alkohol, Drogen oder das jeweilige Suchtmittel damit
besorgt werden. Oder er besorgt es auf Wunsch, anstatt
zu sagen, dass man es nicht kaufen will, da man
die Sucht nicht unterstützen wolle.
Oder sie nehmen dem Süchtigen
andere Alltagsarbeiten ab, weil diese durch die
Suchterkrankung nicht mehr zu verrichten sind. Wie
zum Beispiel Papierkram erledigen, Ämtergänge
machen, Telefonate verrichten oder den Haushalt
alleine schmeißen.. was auch immer - oder
auch den Süchtigen zur Arbeit fahren, damit
er bloß seinen Job nicht verliert, dabei wäre
es besser gewesen nichts dergleichen zu tun, nicht
zu unterstützen und somit den Süchtigen
zwingen, sich selbst zu helfen und vielleicht wirklich
den Job zu verlieren, dass er eventuell endlich
einmal spürt, dass es so nicht weitergehen
kann und das niemand mehr da ist, der einem diese
Pflichten abnimmt.
Solange man diese Pflichten abnimmt,
für einen lügt etc.. hat der Süchtige
doch gar keinen Grund aufzuhören. Er hat doch
jemanden, der das alles regelt, wenn man es selbst
nicht mehr regeln kann. Es ist ein Luxus und doch
so einfach, die Verantwortung auf andere abzuwälzen
und dann auch noch geschützt zu werden, wenn's
einem durch die Sucht mal dreckig geht.
Der
Co-Abhängige tut fast alles für die süchtige
Person. Will ihm helfen und übersieht dabei,
dass die beste Hilfe die Nicht-Hilfe wäre,
so dass der Süchtige allein dasteht und merkt,
dass er was ändern muss, damit seine Lage erträglicher
wird und besser.
Co-Abhängige fühlen sich
verantwortlich für die Welt, sind aber nicht
fähig, für sich selbst Verantwortung zu
tragen. Sie geben und geben und geben und nehmen
nichts oder wissen nicht einmal, wie man nimmt oder
annimmt. Im Schlimmsten Fall geben sie, bis sie
selbst nichts mehr zu geben haben. Sie geben sich
vollkommen auf und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Man flieht mit dem Kümmern
um die Sorgen anderer vor seinen eigenen Problemen
und Sorgen. Der Co-Abhängige will sich am Liebsten
überhaupt nicht mit seinen eigenen Dingen beschäftigen,
denn da fühlt er sich leicht überfordert,
also nimmt er sich den Problemen von anderen an,
da er da das Gefühl hat, alles im Griff zu
haben.
Es
ist nicht falsch, helfen zu wollen, allerdings ist
falsch zu helfen, bevor man sich nicht selbst helfen
kann. Und schon gar nicht auf diese Art und Weise.
Die Devise lautet immer [!] Sorge für Dich!,
jedoch glauben Co-Abhängige, dass es ihnen
selbst gut tut, wenn sie anderen geholfen haben
oder helfen. Sie vergessen, dass sie dabei so überhaupt
nichts für sich getan haben.
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Schlimme
Folgen
Der Co-Abhängige vergisst vollkommen
sein eigenes Leben, vernachlässigt es im schlimmsten
Falle gänzlich und das passiert unweigerlich
je weiter diese Krankheit fortgeschritten ist.
Oft entwickelt der Co-Abhängige
eigene Süchte wie Eßstörungen und
Alkoholismus, denn auch seine Seele zeigt ihm irgendwann
körperlich, dass etwas nicht mit ihr stimmt.
Co-Abhängigkeit bedeutet für Körper
und Seele Stress in höchsten Massen und nicht
selten stirbt der Co-Abhängige vor dem Süchtigen
selbst.
Das klingt hart, ist aber eine Tatsache!
Der Co-Abhängige klammert an
seiner/ seinen Beziehung[en]. Er hat größte
Ängste, verlassen zu werden, will immer gebraucht
werden, weil er sonst glaubt, nicht gemocht zu werden.
Aus Angst verlassen zu werden, übernehmen sie
also die Verantwortung für andere Personen,
so dass diese irgendwann gar keine großen
Möglichkeiten mehr haben, ohne den Co-Abhängigen
zu leben, weil dieser in ihrem Leben alles regelt
und im Griff hat.
Andere
oft auftretende körperliche Symptome sind Magenbeschwerden,
Nervosität, Migräne und Depressionen.
Das Risiko eben selbst von Suchtmitteln abhängig
zu werden ist gross und noch viel größer,
wenn ein Elternteil einer Sucht verfallen war oder
ist [meist Alkoholismus].
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Hilfe
zur Selbsthilfe
Die einzige Möglichkeit zur
Hilfe ist durch eine Therapie gegeben.
Es ist nicht möglich, einem Co-Abhängigen
privat zu helfen und sich selbst kann er ohne fachliche
Kompetenz auch nicht helfen.
Der
Co-Abhängige muss lernen: Es geht auch ohne
mich. Ich kann nicht helfen. Ich bin nicht verantwortlich
für andere und schon mal gar nicht dafür,
dass es ihnen gut oder besser geht. Ich kann die
Probleme anderer nicht kontrollieren, nicht korrigieren
und nicht kurieren! Der
Co-Abhängige ist weder willensschwach noch
lieblos oder gar bösartig, sondern einfach
abhängig. Versprechungen und gute Vorsätze
kann er nicht einhalten, daher sind Verletzungen,
Kränkungen und Enttäuschungen unausweichlich.
Er darf nicht lügen und nicht
vertuschen. Er darf nicht weiterhin seine laufende
Unterstützung bei der Bewältigung des
täglichen Lebens für andere geben und
somit seine eigenen Verpflichtungen vernachlässigen.
Hilfe
gibt es in Selbsthilfegruppen. Es gibt in jeder
größeren Stadt Selbsthilfegruppen für
Angehöriger Suchtkranker und diese haben sich
auf die Co-Abhängigkeit spezialisiert. Aber
auch jeder Therapeut kann weiterhelfen. Eine
gute Klinik, in der auch die Co-Abhängigkeit
behandelt wird [neben allen anderen Süchten,
Neurosen, etc..] ist eine Klink nahe Dresden. Psychosomatische
Kurklinik - Klinik Schwedenstein
Das
alles soll nur ein kleiner Auszug von einem riesigen
Thema sein. Es gibt viele Internetseiten zu diesem
Thema und auch ein wirklich hervorragendes Buch,
das ich jedem Betroffenen und Interessierten ans
Herz legen möchte. Ich musste oft Pausen machen
beim Lesen und vor allem kommt da so einiges ans
Tageslicht, das man wohl nicht wirklich gedacht
hätte...

Anne Wilson Schaef
-
"Co-Abhängigkeit / Die Sucht hinter der
Sucht"
Heyne-Verlag
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