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Im Auge des Poeten

 

 

Regenbogen

Ganz weit draussen,
am Ende des Regenbogens,
werde ich auf Dich warten.
Und wenn du dann endlich kommst,
werde ich sitzen bleiben
mit verschränkten Armen ueber meinen Knien,
damit du nicht zu früh erkennst,
mit welcher Sehnsucht ich Dich erwartet habe.

[mOOn 2000]

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Schwul

Ja, bin ich.
Nein , ich schäme mich nicht.
Sollte ich?
Solltet Ihr Euch nicht schämen?
Solch eine Frage zu stellen?
Meine Existenz auf einen Begriff reduzieren zu wollen,
Mich in eine Schublade stecken zu wollen,
um Eure Ängste zu verleugnen...

Ja, ich bin Schwul.
Ja, ich bin anders.
Aber ich habe eine Mutter, einen Vater.
Ich bin aber ein Mensch, ein Bruder, ein Freund.
Ich bin Kunde, Lehrer, Dichter, Schueler...
Ich atme die gleiche Luft ein,
laufe die gleichen Strassen entlang,
schaue die gleiche Sonne an,
wie Ihr.

Ich möchte nur die gleichen Gesetze befolgen können,
wie Ihr.
Die Tränen, die ich weine
Sind für Eure Intoleranz.
Sie sind aber die gleichen Tränen
Die Ihr weint.
Aus Angst.

Die Kämpfe, die ich kämpfe
Sind für Eure Ignoranz.
Ich kämpfe aber genauso hart wie Ihr kämpft-
Aus Angst.
Sind wir also nicht ähnlicher als unterschiedlicher?
Meine Erfolge müssen Eure Niederlagen sein,
Und dafür macht Ihr mich verantwortlich.
Jedoch würde ich gerne meine Erfolge mit Euch teilen.
Wenn ich Sie nur selbst geniessen könnte...

Ich muss mich für Rechte bedanken...
Ehe, Adoption.
Und für wahre Rechte muss man sich doch nicht bedanken!
Ihr streitet Euch immer noch, ob man an Gott glauben muss,
um in der Kirche zu heiraten.
Ihr trennt Euch immer wieder
und benutzt Eure Kinder als Mittel zum Zweck.
Ich frage mich, was schlimmer ist?

Ihr werft mir vor, ich wurde nur provozieren.
Was macht Ihr mit Euren Schwulen- Witzen?
Was denkt Ihr, wie ich mich fühle,
wenn ich einen Hochzeit mitkriege?
Eine Geburt?
Was in Euren Augen als Provokation angesehen wird,
ist in Wahrheit
nur Verteidigung.

Hört auf mit mir Krieg zu führen,
und ich werde mich nicht mehr verteidigen müssen.
Hört auf zu diskutieren, ob ich leben darf
und kümmert Euch um wichtigere Probleme auf dieser Erde.
Wie kann es unästhetisch sein, ein Kind zwei Schwulen zu überlassen?
Ethisch nicht vertretbar?!
Ist es ästhetischer, es lieber in Afrika verhungern zu lassen?
Ist das ethisch vertretbar?

Ja, ich bin schwul.
Nein, ich verteidige mich nicht gerne.
Nein, ich möchte nicht immer drüber reden.
Nein, ich fühle mich nicht benachteiligt.
Ja, ich bin es verdammt gern.
Lasst mich einfach leben.

[T. S. 2001]

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Auszug aus Romeo und Julia

Zwei Häuser,
beide an Ansehen gleich,
entfachen neuen Streit aus altem Hass.

Im lieblichen Verona,
dem Schauplatz unsres Stückes,
beschmutzt Bürgerblut Bürgerhände.

Aus unheilvollem Schoss der beiden Feinde,
entsprang ein Liebespaar,
unsternbedroht,

Romeo und Julia

[William Shakespeare, Verfilmung "Romeo & Julia"]

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Süßstoff im Kaffee

Unsere Liebe war wie Süßstoff im Kaffee
künstlich
unnatürlich
und doch war sie süss
und doch war sie heiss
und doch erfüllte sie ihren Zweck

Unsere Liebe war ein Aufschrei in einer schönen Situation
nicht passend
hilfesuchend
und doch war sie schön
und doch genossen wir
und doch konnten wir lachen

Unsere Liebe war wie Gewitter an einem Picknicktag
stressig
launisch
und doch war sie erfüllend
und doch war sie ein Abenteuer
und doch gab sie uns wunderschöne Erfahrungen

Wir haben einfach das Beste daraus gemacht
Wir haben einfach versucht, all unsere Missverständnisse beiseite zu schieben
Wir haben einfach versucht, die Sprache des anderen zu sprechen

Wir haben es einfach versucht
Doch es gelang uns nicht
irgendwann musste es so kommen
irgendwann kamen wir nicht mehr weiter
wir kamen nie an
und wir wussten das von Anfang an.

Wir wussten, wir würden niemals ankommen
Wir wussten, wir würden niemals dieselbe Sprache sprechen
Wir wussten, wir würden unsere Missverständnisse nie wirklich klären
Und doch machten wir das Beste daraus
und doch hatten wir eine schöne Zeit
und doch tut es jetzt schrecklich weh
und doch liebten wir uns
wir liebten einander, aus welchem Grund auch immer
doch es war besser so.

Jetzt können wir versuchen uns zu mögen
jetzt können wir versuchen uns zu verstehen
jetzt haben wir keinen Grund mehr uns gegen den anderen zu wehren
und endlich haben wir es nicht mehr schwer,
das Beste aus allem zu machen.

[Sirpa Weiler, ca. 2000/ 2001]

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Meine Welt

Wie kann ich nur aufrecht stehen,
obwohl es mein Wunsch wäre,
einfach in mich zusammen zu sacken?

Woher nehme ich die Kraft weiterzugehen,
obwohl ich doch am liebsten einschlafen möchte?

Woher nehme ich das Lächeln,
dass ich anderen schenke,
obwohl ich keine Ausdauer habe, es fest zu halten?

Wieso kann ich leben ohne Lebenswillen?
Warum liebe ich das Leben
und kann es nicht geniessen?

Schlafen, möchte ich, einfach schlafen.
Nicht für immer und nicht endlos,
jedoch auch nicht weniger
als bis alle Probleme sich in Nichts aufgelöst haben.

Das Kind in mir zu verlieren,
wäre der schlimmste Tod in meinem Herzen.
Doch wie kann ich Kind sein und Kind bleiben,
wenn Kind sein bedeutet,
unbeschwert durchs Leben zu gehen?

So ganz in der eigenen Welt versunken.
Doch bin ich nicht auch in meiner eigenen Welt versunken?
Ständig. Bis mich irgendein Problem in die Realität zurückzieht,
mir begreiflich macht,
dass nichts so läuft wie es soll,
dass nichts so bleiben darf wie es ist
und ich mich in einer gewissen Gefahr befinde und immer tiefer zu fallen drohe.

Irgendwann,
bald sogar, werde ich wieder in meiner eigenen Welt versunken sein,
werde ich wieder alles hinnehmen,
hoffen können,
glauben
und trotz allem glücklich sein.

In diesem Zustand fühle ich mich gut.
Dort will ich wieder hin und ich werde auch wieder dorthin gelangen.
Woher nehme ich dann also all die Kraft
aufrecht zu stehen,
weiter zu gehen
und für andere zu lächeln?

Doch nur durch meine eigene Welt, in der ich niemals kraftlos bin.
Meine Welt, meine Gedanken...
Ich liebe das Leben... es schenkte mir diese, meine Welt,
die ich so sehr liebe!

[Sirpa Weiler, 2001-06-11]

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Denn vergessen kann ich nicht

Eingeschlossen im Gefühl
In einer Zeit des Traumes,
bin ich eingeschlossen
im Land der Sehnsucht.

Mit unwirklichem Blick,
sehe ich die Realität.
Ich lebe im Leben,
doch registrieren kann ich nichts.

Wie neben mir stehend,
laufe ich einen Abhang hinauf
einen Abhang hinunter

Rings um mich so viel,
doch wie im Dunkeln sehe ich
und sehe ich nichts.

Ich vermisse und liebe,
doch vergessen kann ich nicht.

[Sirpa Weiler, 2000-11-03/04]

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Ich wünschte, ich könnte zaubern

ich wünschte ich könnte befreien,
die Welt von ihrem Leid
ich wünschte ich könnte schenken,
die Hoffnung in menschliche Herzen.
Ich wünschte ich könnte vollbringen,
die Liebe am Leben weiterzugeben.
Ich wünschte ich könnte zaubern,
das Lachen auf die Gesichter

Ich drehe mich nach Süden
und sehe Gewalt
ich drehe mich nach Osten
und höre die Schläge
ich drehe mich nach Westen
und spüre den Schmerz
ich drehe mich nach Norden
und fühle Kälte

Ich wünschte, ich könnte zaubern.
Ich wünschte ich könnte helfen,
den Kindern aus der Gewalt
ich wünschte ich könnte schützen,
die Menschen vor dem Leid
Ich wünschte ich könnte sehen,
den Respekt vor jedem einzelnen
Ich wünschte ich könnte zaubern,
das Leben in ein Licht

Ich drehe mich im Kreis
und ich sehe keine Hoffnung in den Augen
Ich drehe mich im Kreis
und ich fühle keinen Mut in den Herzen
Ich drehe mich im Kreis
und höre kein Ich liebe Dich
Ich drehe mich im Kreis
immer wieder um mich selbst
immer wieder in jede Richtung blickend
immer schneller, immer schneller
drehe ich mich im Kreis
bis alles sich in bunten Farben verliert
bis alles sich in bunten Tönen vermischt
bis sich in mir ein lustiges Gefühl ausbreitet
bis es mir scheint,
als könnte ich zaubern.

[Sirpa Weiler, ca. 2001]

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Leere

Ich sehne mich nach Gedanken
fühl' in mich hinein
da ist so viel
so viel Leere & ich fühl' mich allein

Dann sind da Bilder
so viel an der Zahl
und keines ist wahr
keines real

Soviel erlebt
doch nur auf Papier
gemeinsam ist leer
Leere in mir

Tränen aus Freude
eine Nachricht kam an
Vermischt mit der Trauer
dass ich nicht umarmen kann

Tränen der Trauer
denn Du wirst gehn
ein weiter Weg ist viel
noch weiter tut weh

Es ist viel
so viel in mir
Ich kann es nicht sagen
ich schreibe es Dir

Die Welt kann so schön sein
wenn es jemanden gibt
Einen Freund auf der Welt
den man auf solche Weise liebt

Kaum ein Gedanke ist noch klar
ich fühl' diese Leere
doch ist es wahr?

Was will ich sagen?
Ich weiss es nicht mehr
Ich weiss, da ist viel
doch augenblicklich..
.. da fühl' ich mich leer..

To Alex/ Zak
[Sirpa Weiler, 2004-08-07]

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