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Auren & Synästhesie
oder auch "Das Farbensehen"

Es gibt Menschen, die behaupten, Auren sehen zu können. So ganz unwahrscheinlich ist das nicht, denn der Psychologe Jamie Ward behauptet, dass es sich um eine seltene Form der Synästhesie handelt, bei der Emotion und Farbe verbunden werden.

Ich für meinen Teil kann sagen, ein richtiges Sehen ist es - in meinem Fall - nicht. Eher das wissen um die Farbe, das vor dem inneren Augen sehen. Das handelt sich allerdings nicht nur bei Menschen oder Tieren, sondern vor allem bei Buchstaben, Buchstabenkombinationen [sprich: Worte] und Zahlen.

Aura © Sirpa Weiler

Auren kann zwar nicht jeder sehen, aber wir alle fühlen sie. Das Umdrehen, weil man glaubt beobachtet zu werden und dann zu sehen, dass tatsächlich einem jemand in den Rücken gestarrt oder gesehen hat, kennen die meisten. Noch deutlicher ist die Aura zu spüren, wenn man jemand neues kennenlernt und auf Anhieb und wirklichen Hintergrund sagt: "Der ist mir sympathisch" oder "Ich weiß nicht warum, aber ich mag den Kerl nicht."

Wenn man jemanden auf Anhieb nicht leiden kann, ohne dass er irgendwas verbrochen hätte oder uns an jemanden negativ erinnert, hängt mit der Aura zusammen, die einem Unbehaben oder Behagen oder auch Gleichgültigkeit als Gefühl gibt. Ist ein Mensch aggressiver und hinterhältiger Natur, dann spürt man das meist, auch wenn er beim ersten Treffen sehr freundlich und zuvorkommend ist und sich eigentlich in nichts eine Blöße gibt, denn aber haben viele dann einfach ein schlechtes Gefühl, trauen ihrem Gegenüber nicht oder können auf Anhieb sogar sagen, dass sie ihn überhaupt nicht leiden können.

Jeder Mensch kann so reagieren, allerdings läuft das bei sehr vielen einfach unterbewusst ab. Der Mensch hat im Laufe der Jahrtausende das Gefühl verloren, auf seinen Instinkt zu hören und ihn deutlich wahrzunehmen. Kinder sind darin noch sehr gut, aber je älter sie werden, desto mehr gleichen sie sich der Gesellschaft an, die einem vorgibt, dass Bauchentscheidungen nicht besser als Kopfentscheidungen sind. Würden wir mehr auf unseren Bauch hören, dann würden wir wahrscheinlich in vielen Fällen nicht denken oder sagen müssen: "Hätte ich mal auf mein Gefühl gehört."

Eigentlich sollte man es sich selbst antrainieren, auf sein Gefühl zu hören, doch es ist nicht ganz einfach, loszulassen und die Kopfentscheidungen mal sein zu lassen. Oftmals hängt viel zu viel an so einer Entscheidung, dass man sich nicht einfach nur auf seinen Bauch verlassen möchte. Natürlich ist eine Kombination aus Kopf und Bauch das beste, doch das hinzubekommen ist noch ein viel schwieriger Schritt, als nur auf sein Gefühl zu hören, denn da weiß man dann oft nicht mehr, was zu wem gehört und ob man dem Kopf oder dem Gefühl mehr oder weniger trauen sollte.

Kommen wir zurück zu besagtem Psychologen:
Der Psychologe fand eine Probandin, mit der er einen Test durchführte, in dem ihr hundert Worte gesagt wurden, die unterschiedlich stark mit Emotionen verbunden sind. Ward stellte fest, dass bei ihr auch sehr emotionale Worte wie Angst, Liebe oder Hass eine Farbwahrnehmung auslösen. Positiv empfundene Begriffe bringen eher Pink, Orange, Gelb und Grün hervor, während negativ belegte Braun, Grau oder schwarz erzeugen.

Ich von meiner Seite aus kann sagen, dass hier auch das Farbempfinden selbst eine Rolle spielt. Ich mag Schwarz und verbinde diese Nicht-Farbe eigentlich weniger mit schlechten oder bedrohlichen Dingen. Pink ist mir zuwider, das würde ich seltenst sehen und dann bei eher negativen Worten <- hier sollte man also vorsichtig sein, wenn man die Theorie aufstellen will, dass bestimmte Farben auch bestimmte Eigenschaften zuzuweisen sind. Dem ist nur im seltensten Fall so. Zumindest, wenn es um Auren und dergleichen geht.

Mit einer normalen Photokamera ist man bekanntermaßen nicht fähig, die Aura zu photographieren, allerdings lassen sich durch Kirlianphotographie Teile der Aura sichtbar machen.

Beim Aurensehen werden Wahrnehmungen in eine Form umgerechnet, die unserem Alltagsbewusstsein zugänglich ist. Beispielsweise Bilder, die man betrachten kann. Manche Leute fühlen die Aura aber auch in dem Sinne, dass sie sie ertasten können. Wieder etwas, bei dem ich selbst passen muss, weil ich das so nicht kenne. Daher lasse ich es dahingestellt.

Doch weiter mit dem Bericht über Ward und seine Probandin: Diese Form der Synästhesie, bei der Emotionen mit Farben gekoppelt sind, wird auch als Emotions-Farb-Synästhesie bezeichnet. Da auch Freunden, Bekannten und Familienangehörigen Gefühle entgegengebracht werden, erwecken auch diese Personen oder deren Namen einen Farbeindruck, was hier nun dann weniger mit der Aura zu tun hat, allerdings nicht ausgeschlossen werden kann.

Ebenso wie die Testperson, weiß ich ganz sicher, dass ich keine mystischen oder okkulten Fähigkeiten habe und ich glaube auch nicht an sie, daher ist dieser Humbug auf alle Fälle auch auszuschließen, auch wenn mir manch eine Wicca anderes erzählen würde.

Synästhesie entsteht im Gehirn möglicherweise durch eine Querverschaltung zwischen verschiedenen Hirnzentren, vermuten Wissenschaftler. Zum Beispiel könnten Verbindungen bestehen zwischen Arealen, die an emotionalen Prozessen beteiligt sind, und Regionen, die für die Farbwahrnehmung zuständig sind. <- Dieser Wortlaut ist nun nicht von mir, sondern von der einer Übersetzung aus Jamie Wards Veröffentlichung in der Fachzeitschrift "Cognitive Neuropsychology".

Eine andere Form der Synästhesie ist folgende: Es gibt Menschen, die Farben als Töne hören oder Geräusche riechen können. Die Fähigkeit Wahrnehmungen eines Sinnensorgans in die Sprache eines anderen Sinnesorgans übersetzen zu können hat interessanterweise einiges mit der Fähigkeit Hellsichtiger, Energiefelder als Bilder sehen zu können, gemein. <- zumindest sagt man es so, aber ich bin hier noch am Zweifeln. Musik kann ich in Farben sehen, aber ich kann nicht Farben in Musik hören, zumindest ist es mir nie aufgefallen.

Was gibt es über die Synästhesie zu sagen?
Sie ist keine Erkrankung, sondern eine psychologisch-neurologische Besonderheit, die bei rund 2.000 Menschen einmal auftritt, es gilt also ein Verhältnis von etwa 1:2000. Wie gesagt, ist es theoretisch möglich, dass Verbindungen einer oder mehrerer Sinnesempfindungen zusammenknüpfen und wahrnehmen und zwar zwischen allen fünf Sinnen, allerdings ist die häufigste Form der Synästhesie das "coloured hearing". Hierbei werden Töne, Musik oder Sprache zeitgleich mit Farben erlebt.

Ich beziehe mich jetzt übrigens mit meinem Text auf die Erläuterungen von einer psychologischen Seite und hoffe, verständlich zusammenfassen zu können.

Die Definition:
griechisch syn = zusammen und aisthesis = Empfindung.
Es ist wichtig festzustellen, dass Synästhesien keine Halluzinationen sind. Synästhetiker erleben diese Sinneswahrnehmungen "mit offenen Augen" im normalen Tagesbewusstsein.

Historisches:
Farb-Wort-Synästhesien [wie ich sie eben auch kenne], werden in der wissenschaftlichen Literatur seit ca. 300 Jahren beschrieben. So wird bereits im Jahr 1690 ein wissbegieriger Blinder beschrieben, der eines Tages frohlockte: nun habe er begriffen, was Scharlach bedeute: es sei gleich dem Klang einer Trompete. Einen ähnlichen Hinweis gab es im Jahr 1710 über eine blinde Person, welche berichtete, klang-induzierte Farberlebnisse zu haben.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden keine systematischen Studien zur Synästhesie beschrieben. erst Francis Galton verglich 1883 die Erfahrung mehrerer Synästhetiker miteinander. Er bemerkte, dass die häufigste Form der Synästhesie das "Farbenhören" zu sein scheint. Seine Synästhetiker beschrieben konstante und sehr spezifische Farbbeschreibungen. So gaben sie sich z.B. nicht einfach mit "blau" zufrieden; hatten aber große Schwierigkeiten, den genauen Farbton zu beschreiben oder nachzumischen [was ich von mir auch kenne, nicht immer, aber sehr oft]. Diese äußerst präzise Beschreibung einer Farbe ist typisch für Synästhetiker. Galton bemerkte dazu zwei Punkte:

1. dass nicht einmal zwei Menschen die gleichen Farben zu denselben Tönen sehen

2. dass die synästhetische Tendenz vererbbar ist.

Für Synästhesien gelten die folgenden Merkmale:

  • sie sind schwer lokalisierbar
  • sie werden als reale Erscheinungen erlebt
  • sie sind individuell einzigartig so wie eine Handschrift oder ein Fingerabdruck
  • sind nicht umkehrbar [one-way-Effekt], so ruft z.B. eine Fünf jedes Mal ein bestimmtes Blau hervor, aber nicht jedes Blau ruft eine Fünf hervor
  • prägen sich dem Gedächtnis ein, die Synästhesien, also z.B. Farben beim Hören können besser erinnert werden als der Stimulus, der auslösende Reiz, also Geräusche oder Töne
  • identitätsstiftend
  • sind konsistent über lange Zeit, die Synästhesien ~ bilden ein "inneres Lexikon"
  • geschehen unwillkürlich
  • gleichen eher Empfindungen als einem Gedanken
  • waren "schon immer vorhanden" Synästhetiker erinnern sich an diese Wahrnehmungen, soweit ihre Erinnerung reicht

Neurowissenschaftliche Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren zeigen anhand des regionalen Blutflusses im Gehirn, welche Bereiche bei welchen Reizen aktiv sind. Dabei wurde gezeigt, dass die Gehirne von Synästhetikern anders verschaltet sind als die von "Normalpersonen".

Wenn Synästhetiker Musik oder Sprache hören, dann ist in ihrem Gehirn nicht nur das Hörzentrum aktiv, sondern gleichzeitig auch das Sehzentrum, das eigentlich nur Gesehenes verarbeitet. Dies ist ein Beleg dafür, dass Synästhesien eine hirnphysiologische Grundlage haben und sich Synästhetiker ihre Farben nicht bloß "einbilden".

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