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[-
Sokrates -]
[470-399
v.Chr./ Athen, Griechenland]
Vor
Sokrates waren eigentlich nur die Naturphilosophen
bekannt und somit relevant. Sie werden oft
Vorsokratiker genannt, da sie vor Sokrates
gelebt haben.
Zwar
starb Demokrit einige Jahre nach Sokrates,
aber sein ganzes Denken gehört dennoch
der vorsokratischen Naturphilosophie an. Denn
nicht nur zeitlich gesehen bedeutet Sokrates
eine Trennlinie. Auch geographisch ist ein
Wechsel geschehen.
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Sokrates
ist der erste in Athen geborene Philosoph und er,
wie auch seine Nachfolger Platon und Aristoteles,
wirkten und lebten in Athen. Um etwa 450 v.Chr.
wurde Athen zum kulturellen Zentrum der griechischen
Welt und auch die Philosophie nahm hier eine neue
Richtung an.
Die
Naturphilosophen waren vor allem Naturforscher.
Sie sind daher in der Geschichte sehr von Wert,
doch nun konzentrierte sich das Interesse mehr auf
den Menschen und dessen Platz in der Gesellschaft.
Athen
wurde nach und nach demokratisch mit seinen Volksversammlungen
und Gerichten. Um eine Demokratie vorauszusetzen,
mussten die Menschen unterrichtet werden und sein,
um an den demokratischen Prozessen teilnehmen zu
können - Volksaufklärung also. In Athen
war es vor allem wichtig, die Redekunst [Rhetorik]
zu beherrschen.
Bald
schon kamen wandernde Lehrer und Philosophen nach
Athen, die sich Sophisten nannten. Das Wort "Sophist"
bezeichnet eine gelehrte oder sachkundige Person.
Sie verdienten ihren Lebensunterhalt damit, die
Bürger der Stadt zu unterrichten. Die Sophisten
hatten mit den Naturphilosophen eines gemeinsam:
sie betrachteten die überlieferten Mythen kritisch,
aber gleichzeitig lehnten die Sophisten alles ab,
was sie für unnötige philosophische Spekulation
hielten. Auch wenn es vielleicht Antworten auf viele
philosophische Fragen gäbe, könnten die
Menschen doch niemals wirklich sichere Antworten
auf die Rätsel der Natur und des Universums
finden, so meinten sie. Ein solcher Standpunkt wird
in der Philosophie als Skeptizismus bezeichnet.
Die
Sophisten beschlossen also, sich für den Menschen
und seinen Platz in der Gesellschaft zu interessieren.
"Der Mensch ist das Maß aller Dinge",
sagte der Sophist Protagoras [ca. 487-420 v.Chr.].
Damit meinte er, dass Recht und Unrecht, Gut und
Böse immer in bezug auf die Bedürfnisse
der Menschen werden müssen. Er war sich nicht
sicher, ob es Götter gebe, von denen wisse
er nichts festzustellen - also ein sogenannter Agnostiker.
Die
Sophisten hatten lange Reisen hinter sich und viele
Regierungssysteme gesehen, woraufhin sie in Athen
eine Diskussion darüber anstrebten, was naturgegeben
war und was von der Gesellschaft geschaffen wurde
[Gesellschaftskritik]. Beispielsweise der Ausdruck
des "natürlichen Schamgefühls"
- sie waren der Ansicht, dass dieser Ausdruck nicht
haltbar ist. Denn wenn das Schamgefühl natürlich
wäre, dann müsste es angeboren sein <-
das hat mit Sitten und Gebräuchen der Gesellschaft
zu tun, mit der sie sich ja nun befassten.
Es
gab heftige Diskussionen mit der athenischen Stadtgesellschaft,
als die Sophisten behaupteten, dass es keine absoluten
Normen für Recht und Unrecht gäbe. Somit
gelangen wir zu Sokrates, denn er hingegen versuchte
zu beweisen, dass einige Normen wirklich absolut
und allgemeingültig sind.
Sokrates
[470-399 v.Chr.] ist vielleicht die rätselhafteste
Person der gesamten Geschichte der Philosophie.
Er hat keine einzige Zeile geschrieben. Alles, was
wir heute von ihm wissen, hat Platon in Dialogen
verfasst und der Nachwelt hinterlassen - in so weit
es nicht zerstört oder verschwunden ist. Sokrates
gehörte trotz allem zu denen, die den allergrößten
Einfluss auf das europäische Denken ausgeübt
haben.
Es
ist sicher, dass er in Athen geboren wurde, und
dass er dort sein Leben vor allem auf Marktplätzen
und in den Strassen verbrachte, wo er mit allen
möglichen Leuten redete. Er konnte auch viele
Stunden in tiefen Gedankengängen versunken
dastehen. Schon zu seinen Lebezeiten galt er mitunter
deswegen als rätselhafte Person, und nach seinem
Tod wurde er bald als Gründer der verschiedensten
philosophischen Richtungen betrachtet.
Fest
steht, dass er potthässlich war. Er war klein
und dick und hatte Glubschaugen und eine Himmelfahrtsnase.
Aber sein Inneres war vollkommen herrlich, wie es
hieß. Wo man auch sucht, man findet keine
vergleichbare Person zu ihm, trotzdem wurde er wegen
seiner philosophischen Tätigkeiten zum Tode
verurteilt.
Der
eigentliche Kern in Sokrates' Wirken war, dass er
die Menschen nicht belehren wollte. Statt dessen
vermittelte er den Eindruck, selbst von seinen Gesprächspartnern
lernen zu wollen. Er unterrichtete also nicht wie
irgendein Lehrer, sondern führte Gespräche.
Natürlich wurde er nicht für das Zuhören
berühmt oder zum Tode verurteilt. Anfangs allerdings
stellte er immer nur Fragen, so gab er gern vor,
nichts zu wissen. Er beherrschte die Kunst im Laufe
eines Gespräches, den anderen dazu zu bringen,
die Schwächen der eigenen Aussagen zu erkennen
und einzusehen. Es konnte dann vorkommen, dass der
Gesprächspartner in die Ecke gedrängt
wurde und am Ende einsehen musste, was Recht und
was Unrecht war.
Sokrates
Mutter war angeblich Hebamme. Seine Aufgabe in den
Gesprächen war ähnlich wie die Hebammenkunst.
Denn er war nicht jemand der das Kind gebar, sondern
derjenige, der half. Der Geburtshelfer für
die eigenen Gedanken sozusagen. Wirkliche Erkenntnis
muss schließlich von innen kommen, denn erst
dann ist es Einsicht, die einen "erhellt".
Es
gibt den Ausdruck "sokratische Ironie",
was daraus geboren wurde, dass Sokrates Dummheit
oder eher Unwissenheit vorheucheln konnte, wie kaum
ein anderer. Er stellte sich dümmer als er
war. Auf diese Weise konnte er an die Vernunft seiner
Gesprächspartner appellieren und ihnen immer
wieder Schwächen im Denken aufdecken - mitten
auf dem Marktplatz beispielsweise, also in aller
Öffentlichkeit. Eine Begegnung mit Sokrates
konnte gleichbedeutend mit Blamage vor großem
Publikum sein.
Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass er schließlich
auch störend und nervtötend wirkte - vor
allem auf die Mächtigen der Gesellschaft. Sokrates
wollte allerdings niemanden quälen, doch es
steckte etwas in ihm, das ihm keine andere Wahl
ließ. Beispielsweise protestierte er dagegen,
Menschen zum Tode zu verurteilen, außerdem
weigerte er sich, politische Gegner zu denunzieren,
was ihm am Ende das Leben kosten sollte.
Anno
399 v.Chr. wurde er angeklagt, "die Jugend
zu verderben" und "die Götter nicht
anzuerkennen". Mit knapper Mehrheit wurde er
von einer Jury mit fünfhundert Mitgliedern
für schuldig befunden. Sicherlich hätte
er um Gnade bitten können, womit er sein Leben
hätte retten können, doch das gehörte
nicht zu ihm und passte nicht zu seinem Wesen. Er
hielt sein eigenes Gewissen und die Wahrheit für
wichtiger, als sein Leben. Er versicherte nur für
das Wohle des Staates gehandelt zu haben, aber er
wurde zum Tode verurteilt. Er starb dann später,
als er in Anwesenheit seiner engsten Freunde einen
Becher mit Gift - den Schierlingsbecher - leerte.
Er
starb mit seiner Überzeugung und das machte
ihn glaubwürdig. Sein tragischer Tod ist wohl
auch Grund dafür, dass sein Name auch unter
denjenigen bekannt ist, die sich nicht mit der Philosophie
beschäftigen. Sein Tod ist übrigens später
häufig mit dem von Jesus verglichen worden:
In beiden Fällen ein mehr oder minder freiwilliger
Opfertod nach einem Sündenbockritual, veranstaltet
durch eine banausische Meute, die im Namen der Orthodoxie
auftrat.
Doch
kommen wir zurück zu seinen Lebezeiten die
parallel zu den Sophisten war, doch eines unterschied
ihn zu den wandernden Philosophen, die sich allerdings
beide von den Naturphilosophen abgrenzten: Er betrachtete
sich selbst nicht als Sophist - also als gelehrte
oder weise Person, daher ließ er sich auch
nicht, wie die Sophisten es taten, für seine
"Lehrtätigkeit" bezahlen. Er selbst
nannte sich einfach "Philosoph", im wahrsten
Sinne des Wortes. Ein "Philo-soph" ist
eigentlich ein "Liebhaber der Weisheit",
jemand, der danach strebt, Weisheit zu erlangen.
Die
Sophisten könnte man mit Besserwissern gleichsetzen,
die sich für ihre Ansichten und Ausführungen
bezahlen ließen. Leute, die damit angeben,
viel zu wissen, obwohl sie eigentlich gar nichts
wissen oder mit ihrem wenigen Wissen zufrieden sind.
Ein wirklicher Philosoph ist das Gegenteil.
Seine
Frau Xanthippe hatte übrigens kein Verständnis
dafür, dass Sokrates sich nicht für seine
"Arbeit" bezahlen ließ. Sie verstand
nicht, wenn Sokrates behauptete, dass das Wesen
der Tugend wichtiger sei, als das Essen auf dem
Tisch, und sie führte mit ihm lautstarke Beziehungsgespräche,
durch die Sokrates weiter seinen Dialektik trainierte.
Seine Frau war ein weiblicher Tyrann, um es gelinde
auszudrücken, doch das nur am Rande.
Ein
Philosoph weiß genau, dass er im Grunde sehr
wenig weiß. Ebendeshalb versuchte er immer
wieder, zu wirklicher Erkenntnis zu gelangen. Sokrates
war so ein seltener Mensch. Ihm war klar, dass er
nichts über das Leben und die Welt wusste und
ihn quälte richtiggehend, dass er so wenig
wusste. Ein Philosoph ist also jemand, der erkennt,
dass es sehr viel gibt, was er nicht versteht und
genau das quälte Sokrates, was ihn allerdings
immer noch klüger machte als alle, die mit
ihrem vermeintlichen Wissen prahlen.
"Der Klügste ist der, der weiß,
was er nicht weiß.", wirklich gesagt
hat er übersetzt, er wisse nur eines, dass
er nichts wisse.
Fragen
zu stellen war gefährlich, was man an seinem
Tod gut sehen kann. Man kann sich im Leben immer
entscheiden: Entweder glaubt man viel zu wissen
und belässt es dabei oder man erkennt, dass
man eigentlich nichts weiß und stellt Fragen,
um zu lernen. Man wird zu jemandem der unermüdlich
versucht, sich Wissen anzueignen und Zusammenhänge
zu begreifen.
Angeblich
hat einmal ein Athener das Orakel von Delphi gefragt,
wer der klügste Mensch Athens sei. Das Orakel
soll geantwortet haben: Sokrates. Als Sokrates dies
erfuhr, war er gelinde gesagt verwundert. Sofort
ging er in die Stadt und suchte jemanden auf, den
er und auch andere für klug hielten. Aber als
sich herausstellte, dass dieser Mensch Sokrates
seine Fragen nicht klar beantworten konnte, sah
Sokrates schließlich ein, dass das Orakel
recht behalten hatte.
Doch
zurück zu seiner Philosophie. Sokrates hielt
es für unmöglich, glücklich zu werden,
wenn man gegen seine Überzeugung handelte.
Er war zudem Rationalist, der an die Vernunft glaubte
und appellierte. Sein Gewissen war die "göttliche
Stimme" in ihm. Deshalb wird jemand, der weiß,
was richtig ist, auch das Richtige tun. Denn kein
Mensch möchte unglücklich sein. Zumindest
glaubte Sokrates, dass Lügner und Verleumder
ganz sicherlich nicht glücklich mit ihrem Handeln
und somit mit ihrem Leben werden konnten.
Sokrates
war auch der Ansicht, dass ein Sklave ebenso große
Vernunft besäße als ein Gelehrter oder
angesehener Staatsmann und daher hinderte ihn nichts,
auch diese zu sich heran zu ziehen und sie mit Fragen
zu "bombardieren". Sein wissbegierigster
Schüler und Anhänger war übrigens
Platon, der später dann Lehrer von Aristoteles
wurde, die ich beide noch extra angeführt habe.
Quellen:
"Sofies Welt" & "Bildung"
Zitate
von Sokrates

"Ich
weiß, dass ich nichts weiß"
"Zu
Ansehen gelangt man,
in dem man sich zu werden bemüht,
als was man
gerne gelten möchte."
"Der
Kluge lernt aus allem und von jedem,
der Normale
aus seinen Erfahrungen
und der Dumme weiß alles besser."
"Eigenartigerweise
kann ein Mann immer sagen,
wie viele Schafe er besitzt,
aber er kann nicht sagen,
wie viele Freunde er hat,
so gering ist der Wert, den wir ihnen beimessen."
"Sei,
was Du scheinen willst."
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