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Sappho © Charles-August Mengin, 1877

Sappho © Charles-August Mengin, 1877

Sappho

[612-557/ 568 v.Chr.]

Dichterin, Philosophin

Erste lyrische Dichterin der Weltliteratur [und nicht nur unter den Frauen, sie war die erste überhaupt].

Sappho geboren in Mytilene und aus einem Adelsgeschlecht stammend, blieb die meiste Zeit ihres Lebens auf Lesbos, und nach ihr bzw. ihrer Heimatinsel wurde die lesbische Liebe benannt, mitunter auch, weil sie sich zur gleichgeschlechtlichen Liebe bekannte und nicht selten Liebschaften mit ihren Schülerinnen einging [sie lehrte so auch die Kunst der Liebe und des Liebens, wenngleich nicht offiziell]. Ihre Gedichte sind reine Poesie, reine Melodie [=Honiglied]. Platon nannte die 10. der Musen.

Die griechische Dichterin lebte vorwiegend auf der Insel Lesbos, wo sie im kult der » Aphrodite und der Musen Freundinnen und Schülerinnen um sich sammelte [Sapphismus]. Sie unterrichtete Mädchen und Frauen in vielversprechenden Talenten wie Anmut, Grazie, Poesie, Philosophie und Musik. Edle und gebildete Frauen bemühten sich intensiv um ihre Schülerinnen, die sich gern den erfahreneren Frauen anschlossen.

Sappho war die grösste Lyrikerin des Altertums. Ihre Lieder sind Götterhymnen, Hochzeits- und Liebeslieder. Sie wurden später in neun Büchern vereinigt, doch sind heute neben Bruchstücken nur wenige Lieder erhalten. Horaz nahm das Versmaß des 1. Buches als sapphisches Maß zum Vorbild für viele Oden.

In der späteren griechischen Geschichte wurden die Dichtungen Sapphos kritisiert und teilweise geächtet. Ihr guter Ruf wurde durch üble Gerüchte zerstört. Grund war wahrscheinlich die Leidenschaft und Hingebung in ihrer Lyrik. Dies galt in späteren Zeiten nicht mehr als sittsam. Dazu kam, dass die Weiblichkeiten auf Lesbos ein eigenständiges, unabhängiges, geselliges und öffentliches sowie freies Leben führten. Die Frauen waren gebildet, konnten ihre Talente in der Poesie und in den philosophischen Betrachtungsweisen entwickeln, was den späteren Frauen in Athen zBsp. nicht mehr vergönnt war. Dort waren diese zurückgezogen, lebten nur für Mann, Kinder und Haushalt. Insofern ist Sapphos spätere Ächtung auch als bewusste Diskriminierung der Frauen zu verstehen.

568 v.Chr. soll Sappho noch gelebt haben, doch ihr wirkliches Todesjahr ist nicht genau bekannt, allerdings gibt es hier natürlich einige Spekulationen.

Bedauerlicherweise sind fast alle Schriften nur bruchstückhaft erhalten geblieben. Das einzige vollständig vorliegende Gedicht ist das an » Aphrodite, deren Begleiter Eros sie als bittersüss beschreibt. Sie beschrieb gerne in Naturphänomenen wie Blumen und Gestirnen und orientierte sich so in diesen Ausdrücken.

Ode an Aphrodite

Bunten Thrones ewige Aphrodite,
Kind des Zeus, das Fallen stellt, ich beschwör dich,
nicht mit Herzweh, nicht mit Verzweiflung brich mir,
Herrin, die Seele.

Nein, komm hierher, so du auch früher jemals
meinen Ruf vernommen und ganz von ferne
hörtest drauf und ließest des Vaters Haus, das
goldne, und kamst, den

Wagen im Geschirre. Dich zogen schöne
schnelle Spatzen über der schwarzen Erde,
flügelschwirrend, nieder vom Himmel durch die
Mitte des Äthers,

gleich am Ziele. Du aber, Selig-Große,
lächelst mit ewigem Antlitz und du
fragtest, was ich wieder erlitten, was ich
wiederum riefe,

was ich maßlos wünschte, daß mir geschähe,
rasend in der Seele. "Ja, wen soll Peitho
deinem Liebeswerben verführen, wer, o
Sappho, verschmäht dich?

ist sie heut noch flüchtig, wie bald schon folgt sie,
ist sie Gaben abhold, sie selbst wird geben,
ist sie heut noch lieblos, wie bald schon liebt sie,
auch wenn sie nicht will."

Komm zu mir auch jetzt; aus Beschwernis lös mich,
aus der Wirrnis; was nach Erfüllung ruft in
meiner Seele Sehnen, erfüll. Du selber
hilf mir im Kampfe.


Der Mond ist untergegangen,
versunken sind die Plejaden;
schon Mitternacht ist’s, die Stunde
verrinnt - und alleine schlaf ich.

[aus dem Griechischen übersetzt von Hans Rupé]


Hinabgetaucht ist der Mond und
mit ihm die Plejaden; Mitte
der Nächte, vergeht die Stunde;
doch ich lieg allein darnieder.

[aus dem Griechischen übersetzt von Joachim Schickel]

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