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[- Kassandra -]

Kassandra © Sarina Röhr
Trojanisches Pferd

[auch Alexandra genannt]

Sie war Tochter des Königs Priamos von Troja und seiner Frau Hekabe. Homer nennt sie die schönste ihrer Töchter und berichtet, Othryoneus von Kabelsos sei Priamos' Verbündeter im Trojanischen Krieg geworden, weil er nach Beendigung der Feindseligkeiten Kassandra zur Frau erhalten sollte. Koroibos, der Sohn des Phrygerkönigs Mygdon, kam ebenfalls in der Hoffnung nach Troja, sie zu heiraten. Beide Freier fielen jedoch im Krieg.

Spätere Überlieferungen statten Kassandra mit großen prophetischen Gaben aus. Als sie jung war, so hieß es, habe sich Apollon in sie verliebt und sie umworben; als Gegenleistung für die Gunst, die er erhoffte, lehrte er sie die Kunst der Weissagung. Als Kassandra jedoch seine Aufmerksamkeiten verschmähte, verdammte er sie dazu, die Wahrheit immer richtig zu prophezeien und doch niemals Gehör zu finden.

Nach einer anderen Darstellung spielten Kassandra und ihr Bruder Helenos, als sie noch Kinder waren, am Festtag des thymbräischen Apollon zusammen in dessen Tempel, und die heiligen Schlangen leckten den Kindern die Ohren und Mund und verliehen ihnen so die Gabe der Prophetie.

Bevor sie ihre Weissagungen aussprach, verfiel Kassandra in einen Zustand ekstatischer Trance; ihre Familie hielt sie für wahnsinnig. Als Paris zum ersten Mal nach Troja kam, wusste sie, wer er war, obwohl er als Kind auf dem Berg Ida ausgesetzt wurde und die Eltern ihn nicht kannten. Sie sagte jenes Übel voraus, das Paris durch seine Reise nach Sparta anrichten würde [von wo er Helena entführte], und sie erkannte die Gefährlichkeit des hölzernen Pferdes. Doch hörten die Trojaner nicht auf ihre Warnungen. Als Troja eingenommen worden war und brannte, ergriff Aias, der Sohn des Oileus, Kassandra, die sich in den Athenetempel gerettet hatte und sich an das heilige Bildnis der Göttin klammerte.

Aias zerrte sie fort, stürzte das Standbild um und vergewaltigte Kassandra, während Athenes Bildnis entsetzt den Blick abwandte. Weil die Griechen sie nicht an Aias rächten, tötete Athene viele von ihnen auf der Heimreise. Auch legte sie Aias' Volk, den Lokrern, eine Buße für tausend Jahre auf.

Kassandra fiel dem Agamemnon als Konkubine zu und gebar ihm zwei Söhne, Teledamos und Pelops. Schließlich brachte er sie in seine Heimat Mykene zurück. Dort fiel sie unter dem Schwert von Agamemnons Gemahlin Klytämnestra; aber nicht, ohne das Schicksal geweissagt zu haben, das ihn, sie selbst und ihre Kinder erwartete. Sie sprach in voller Kenntnis der Schreckenstaten, die Agamemnons Familie [das Haus des Artreus] in früheren Zeiten befleckt hatten - eine Szene, die in Aischylos' Tragödie "Agamemnon" dargestellt ist.

Durch den Fluch, der ihr angeblich von Apollon auferlegt worden war, immer die Wahrheit vorauszusagen, aber kein Gehör zu finden, spricht man heutzutage vom "Fluch der Kassandra", wenn man missverstanden oder einem nicht geglaubt wird.

Quelle: Lexikon der antiken Mythen & Gestalten

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