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Ich & mein Leben -> Meine Vergangenheit
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Meine Vergangenheit -]
Meine
Eltern & meine Kindheit
Eigentlich müsste ich ein Buch
über meine ganze Vergangenheit und deren Geschichten
schreiben, doch soweit kann es hier auf dieser Seite
nicht kommen, daher versuche ich mich knackig zu
halten, was mir nicht gelingen wird ;)
1978
war im Dezember nachts nach 00:31 Uhr ein riesiges
Jubelgeschrei aus dem Kreissaal des Emmendinger
Kreiskrankenhauses zu vernehmen, denn mein Vater
hatte bekommen, was er sich so lange wünschte.
Ich weiß nicht, ob es damals noch nicht möglich
war, das Geschlecht des Kindes festzustellen, oder
ob meine Eltern sich wissentlich dagegen entschieden,
es zu erfahren, jedenfalls wussten sie es nicht
und mein Vater hatte sich immer gewünscht,
eine Tochter zu bekommen und sie sollte "so
stark sein wie ein Mann".
Für
damalige Verhältnisse sei gesagt, dass
die Frauen an sich noch gerne einmal als etwas
weicher bezeichnet wurden, und meines Vaters
Wunsch war es, dass ich so hartnäckig
und ehrgeizig in allem werde, was ich mache,
wie man es zu dieser Zeit eher den Männern
als dem Grossteil der Frauen zuschrieb. Ob
er das bekommen hat, kann ich selbst nur ahnen,
weil ich ihn leider nicht mehr fragen kann.
Doch
ich glaube, ich habe mich für mich selbst
bewiesen und kann fast schon guten Gewissens
behaupten, dass ich so ehrgeizig geworden
bin, wie er es sich gewünscht hätte. |
|
Vielleicht habe ich nicht wirklich erreicht, was
er sich für mich vorstellte, aber zumindest
ist mein Leben noch lange nicht vorbei und das kann
alles noch kommen. Aber das gehört ja nicht
in die Vergangenheit, so kommen wir lieber wieder
zurück.
 |
Mein
Vater hatte ein Hotel-Restaurant. Er war
gelernter Metzger und führte als Koch
und Wirt dieses doch recht gute Hotel, hatte
zwei Kochlöffel [ähnlich wie die
Sterne, mit denen man Hotels auszeichnet]
für seine Küche und nebenher ein
Kneipe mit Kegelbahn und zusätzlich
das Schwimmbadkiosk des Dorfes unter seinen
Fittichen.
Mein
Vater war ein Multitalent. Neben all diesen
hauptberuflichen Tätigkeiten, war er
Gemeinderatsmitglied, bei der freiwilligen
Feuerwehr und Vorsitzender einer Restaurantgruppe,
deren Namen ich nicht weiß. In einem
Dorf mit heutig 12.000 Einwohnern war es
also für mich von Anfang an ein Bekanntsein,
wie man es einem bunten Hund zuschreiben
würde.
|
Er fuhr nach meiner Geburt und dem
Ausruhen meiner Mutter zur Kneipe mit der Kegelbahn
und freute sich so sehr, dass er Sekt an alle Gäste
verteilte.. aber erst nachdem er sie davor mit diesem
nassgespritzt hatte. Meine Mutter erzählte
mir später, dass er die Reinigungsrechnungen
noch ein Jahr danach abbezahlen musste *lach* Ich
war also ein reines Wunschkind meines Vaters.
Doch nicht nur das meines Vaters,
sondern auch das meiner Mutter. Sie lernten sich
in Spanien kennen. Meine Mutter kommt aus Finnland
und arbeitete damals in einer Versicherungsgesellschaft
der FinnAir [Finnische Fluggesellschaft], somit
bekam sie immer günstig Flüge und nahm
diese auch mit ihrer besten Freundin und Arbeitskollegin
Tuula in Anspruch. Wer würde das nicht :)
Diesmal führte sie also der
Weg nach Spanien. Tuula und meine Mama waren abends
in einer Bar, in der der Anteil der Männer
höher war, als der Anteil der Frauen. Ob meinem
Vater meine Mutter auch aufgefallen wäre, wenn
es anders gewesen wäre, weiß ich nicht,
aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sie
eine wunderschöne Frau war. Wenn ich mal einen
Scanner besitzen sollte, werde ich ein paar Bilder
einscannen oder einfach auch noch mal meinen Bruder
anhauen.
Jedenfalls kam es so, dass mein
Vater meine Mutter zum Tanzen aufforderte und sie
unterhielten mehr schlecht als recht, weil mein
Vater nicht wirklich gut Englisch sprach. Aber da
sein bester Freund Fritz mit auf Palma de Mallorca
war, konnte dieser zumindest vermitteln. Ab diesem
Abend trafen sie sich die beiden letzten Tage, die
mein Vater noch dort war, wieder. Als er abflog,
hatten sie schon Nummern ausgetauscht, aber keiner
wusste vom anderen, dass er eigentlich noch verheiratet
war. Mein Vater hatte eine kinderlose Ehe und einen
Sohn aus einer Affaire und meine Mutter lebte noch
in einer Ehe, die bald zuende gehen sollte. Aus
dieser kamen zwei Söhne.
Als meine Mutter kurz nach ihrem
Urlaub in Spanien nach Frankfurt flog, fuhr mein
Vater extra wegen ihr mit dem Auto dorthin, um sie
zu sehen. Sie hatte - soviel ich weiß - nur
Zwischenstopp und flog auch am gleichen Abend wieder
zurück nach Finnland, doch die Flamme in ihren
Herzen war entfacht und meine Mutter sagt heute
noch, dass er ihre große Liebe war und auch
mein Vater war über beiden Ohren in sie verliebt,
bis zum Schluss, aber soweit sind wir noch nicht.
Sie trafen sich immer mal wieder
in verschiedenen Ländern, mein Vater rief sie
sehr oft an, auch bei der Arbeit, schickte ihr Unmengen
an Blumen und Geschenken, schrieb Briefe mit Hilfe
seines Freundes Fritz auf Englisch und irgendwann
trennte er sich von seiner Frau durch die Scheidung,
was meine Mutter aber immer noch nicht wusste und
erst später erfahren sollte. Auch meine Mutter
ließ sich scheiden und es kam dazu, dass sie
auf einer ihrer vielen Reisen, die sie miteinander
machten, um sich sehen zu können, meine Mutter
schwanger wurde. Es muss um die Osterzeit gewesen
sein, wenn ich richtig zurückrechne. Meine
Mutter meint, es sei ein Ostersonntag gewesen, aber
sicher kann sie das wohl auch nicht mehr sagen.
Meine
Mutter gab in Finnland alles auf und zog nach Deutschland
zu meinem Vater. Hochschwanger heirateten sie dann
im Standesamt in Deutschland und später noch
einmal kirchlich in Finnland. Da war ich dann aber
schon geboren und bei meiner Großmutter mit
Babysitter untergebracht. Mutti
lernte sehr schnell deutsch und wurde die Wirtin
im Hotel Ochsen.
Ich
glaube, ich habe mit meinen Eltern das glücklichste
Leben in den ersten 8 Jahren verbracht,
das ein Kind sich wünschen kann. Niemals
gab es Schläge, nicht einmal und ich
wurde als Nesthäkchen wohl auch etwas
zu sehr verhätschelt.
Zwar
hatten meine Eltern durch das Restaurant
sehr wenig Zeit für mich und ich lernte
sehr schnell, selbständig zu agieren,
was zu Folge hatte, dass man mir später
nicht mehr viel sagen konnte, aber ich denke,
ich habe generell die richtigen Entscheidungen
getroffen, auch wenn ich heute denke, dass
ich vieles anders hätte machen können,
um es jetzt leichter zu haben, aber das
lag nicht wirklich an meiner Kindheit, sondern
an dem, was danach kam. [Schachtelsatz...
*lol*]
|
|
Mein Vater wollte mir die ganze
Welt zeigen. Immer wieder hat er das gesagt und
wir sind auch zwei Mal im Jahr in den Urlaub geflogen.
Im Sommer nach Finnland zu meiner Familie mütterlicherseits
und im Herbst nach Spanien oder auch mal Jugoslawien
[damals zumindest war es noch Jugoslawien].
Ich habe von meinen Eltern, vornehmlich
von meinem Vater, sehr, sehr viel gelernt. Beide
haben sie mein Verlangen nach Kunst gestillt und
gefördert. Wo wir auch waren, meine Mutter
hatte vorgesorgt und mich konnte man sehr, sehr
einfach mit Stift und Papier glücklich machen
und vor allem ruhig stellen, "wenn die Erwachsenen
sich unterhalten". Allerdings wurde mir der
Mund nie verboten, ich wurde ernst genommen, auch
wenn ich oftmals einen Rüffel bekam, weil ich
keine Geduld hatte und niemals jemanden ausreden
lassen wollte. Doch ich weiß noch, wie fasziniert
und stolz ich war, habe ich mal etwas gesagt und
die "Erwachsenen" sprachen und diskutierten
dann darauf hin zu diesem Thema. Was es war, weiß
ich leider heute nicht mehr, aber irgendwie schien
es immer ein guter Gesprächsstoff zu sein und
ich weiß, dass ich mich sehr ernstgenommen
fühlte.
Mein Vater brachte mir bei, wie
ich mit einem Photoapparat umzugehen hatte und er
schenkte mir, als ich mit einer befreundeten Familie
an die Ostsee fuhr, einen weinroten, ganz eigenen
und echten Photoapparat. Ich muss etwa 7 oder 8
Jahre alt gewesen sein. Als ich die Bilder nach
den Ferien entwickelt vorzeigte und ein Bild darunter
war, das ich von Gleisen gemacht hatte und an dessen
Seite ein Margeritenbusch gewachsen war, erklärte
mir mein Vater, dass ich dann in die Mitte den Busch
machen solle, wenn ich die Blumen als Hauptmerkmal
photografieren wollte. Nun ja.. das wollte ich eigentlich
auch, aber ich weiß, dass ich sagte, ich habe
die graden Linien von den Gleisen photografieren
wollen. Ich glaube er hat sehr gelacht und sich
an meiner Aussage gefreut..
Das
schlimmste im Leben ist, wenn man jemanden verliert,
der einem so viel bedeutet hat, wie mein Vater mir
bedeutet hat. Noch schlimmer finde ich fast, dass
ich mich heute gar nicht mehr an seine Stimme erinnern
kann. Ich kenne sein Lachen, sehe es vor mir, aber
ich höre die Stimme nicht dazu. Er hat mir
abends sehr oft vorgelesen. Wir saßen im Flur
auf dem Boden und dort hat er mir vorgelesen aus
den Büchern von Wilhelm Busch - Max und Moritz.
Es waren Originalbände, die ich heute noch
besitze. Oft war es aber auch Struwwelpeter in diesem
altbackenen und weitbekanntem gelben, dünnen
Buch.

Generell weiß ich noch sehr
viele Kleinigkeiten und ich möchte sie alle
auch noch einmal getrennt niederschreiben, denn
ich habe doch irgendwie Angst, dass ich auch diese
irgendwann vergessen werde, wie ich seine Stimme
vergessen habe..
Wir
mussten, als ich 8 Jahre alt war, umziehen. Es war
die Zeit, in der es viele Flüchtlinge gab und
jedes Hotel die Verpflichtung hatte, diese aufzunehmen.
Natürlich taten meine Eltern das gerne, doch
die Einnahmen sanken in die roten Zahlen und es
war nur noch möglich, das Hotel zu verkaufen.
Die Kneipe und das Kiosk hatte mein Vater schon
lange vorher verkauft, weil er mehr Zeit mit seiner
Familie verbringen wollte. Nun musste es auch das
Hotel Ochsen sein.
Mit
seinem Verkauf würden sie komplett schuldenfrei
raus kommen und konnten von Null anfangen, was für
ein solches Geschäft wirklich nicht das schlechteste
war. Ich weiß, dass ich sehr geweint habe
und auch meiner Oma ging es nicht gut. Wir haben
versucht, uns gegenseitig Trost zu spenden, hielten
uns auf der Bank zwischen Tisch 6 [Mitarbeitertisch
in der Pause] und Tisch 7 [Mein Tisch, den ich zu
Mittag mit meinem Opa teilte und zusammen mit ihm
Flädlesuppe ass] fest im Arm und heulten.
Mein
Vater pachtete im nahegelegenen Emmendingen eine
Weinstube, die auch ein paar Zimmer hatte. Es war
vielversprechend, man hätte einiges daraus
machen können, aber hierzu gleich mehr. Mein
Vater war sehr krank, schon seit ich 4 oder 5 Jahre
alt war. Ich wusste nicht, was es war. Ich war zu
klein, um es zu begreifen, aber ich wusste, ich
durfte nicht auf ihn zurennen und ihm auf die Arme
springen, weil sein Bauch weh tat. Ich erfuhr erst
Jahre nach seinem Tod, dass er Magenkrebs hatte
und sich keineswegs schonte, was Alkohol und Zigaretten
anging. Ich bin froh, dass ich das alles nie mitbekommen
habe.
Für
mich war mein Vater ein Heiliger, er tat nie jemandem
böses zu leide und er war Gentleman durch und
durch und dazu eben der beste Vater der Welt. Es
gab eine Zeit, in der ich nicht wahrhaben wollte,
dass er - wenn er mit dem Trinken und den Zigaretten
aufgehört hätte - noch eine Chance gehabt
hätte oder zumindest sein Leben hätte
verlängern können.
Ich habe ihn nur einmal in der Wohnung
nach dem Umzug gesehen. Den Rest des Jahres [über
300 Tage] verbrachte er in seinem letzten Jahr im
Krankenhaus. Meine Oma erzählte mir später,
dass er schon einige Zeit vor dem Umzug einmal zu
ihr sagte: "88 ist mein Jahr...", sie
wusste nicht, was er meinte, fragte noch einmal
nach, doch er winkte ab. Heute wissen wir, dass
er es schon lange vor uns wusste. Er wusste, dass
er sterben musste und hatte wohl im Gefühl,
dass er 1988 sterben würde.. wie es wirklich
geschah..
Ich
hab ihn nicht oft besucht im Krankenhaus. Für
mich gab es den Tod meines Vaters nicht als Thema.
Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass
er sterben würde. Erst ein Jahr zuvor war mein
Opa gestorben. Ich saß da mit einer Freundin
im Frühstückszimmer der Gäste und
aß mit ihr SchniPoSa. Mein Opa lag im Krankenhaus
und als sie mich fragte, wie Kinder hin und wieder
so fragen: "Meinst Du Dein Opa wird sterben?".
Ich
bestritt das vehement und erklärt, dass niemals
mein Opa sterben würde.. es waren keine 10
Minuten, als danach meine Mutter reinkam und sagte,
mein Opa sei gestorben. Für mich brach alles
zusammen und ich heulte wie auf Knopfdruck. Das
ist jetzt vielleicht eine recht unpassende Beschreibung,
aber ich führe sie so an, weil ich beim Tod
meines Vaters überhaupt nicht weinte. Zumindest
dauerte es sehr lange, denn das einzige, das ich
sagen konnte, war: "Ich wollte doch gerade
E.T. schauen". Den Film konnte ich dann erst
Jahre später anschauen..
Meine Erinnerung an die Jahre nach
dem Tod meines Vaters und vor allem die kurze Zeit
darauf, wie es mir ging, was ich fühlte oder
dachte.. das alles ist mir leider nicht mehr in
Erinnerung. Ich denke, der Schmerz war einfach zu
gross, so dass ich das verdrängte.
Meine Mutter stand dann auf einmal
allein da. Sie hatte die Weinstube und hätte
etwas draus machen können, doch sie stürzte
sich in den Alkohol. Es ging schleichend und ich
weiß leider nicht mehr, wann mir klar war,
dass sie ein Problem hatte, denn ich habe erst mit
13 Jahren begonnen, Tagebuch zu schreiben, aber
schon auf den ersten Seiten ist zu lesen, dass ich
es wusste. Und damit begann meine wirklich schöne
Kindheit ein schnelles Ende zu nehmen.
Meine
Mutter behandelte mich immer fair und voller Liebe.
Sie hatte eine offene Erziehung und ich bin froh
darum, denn als sie einmal in einer Phase begann,
mich zu erziehen, in dem sie mir dies oder jenes
verbieten wollte, blockte ich ab. Ich sagte ihr
ins Gesicht, dass sie damit etwas spät käme
und ich mir nichts mehr sagen lasse. Das war eben
in der Zeit mit 13 Jahren, aber sie hat begriffen.
Ansonsten war unser Verhältnis zueinander aber
recht gut. Wir verstanden uns mehr wie Freundinnen
als wie Mutter und Tochter, auch wenn es übliche
Auseinandersetzungen gab, die man nun mal im pubertären
Alter so mit seiner Mutter hat.
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Meine Jugend
Meine
Therapeutin sagte Jahre später zu mir,
dass sie Hochachtung vor meiner Leistung
hätte. Ich sehe es bis heute nicht
so, denn für mich war es einfach "normal",
dass ich mit 13 Jahren hinter der Theke
stand, alles organisierte und mich um den
richtigen Ablauf im Restaurant kümmerte,
weil meine Mutter betrunken am Stammtisch
saß. Ich habe es gut auf die Reihe
bekommen und war mir im Klaren darüber,
dass ich das besser konnte, als meine Mutter.
Wenn
ich Fragen hatte, wandte ich mich telefonisch
einfach an meine Oma und gut war. Generell
muss ich sagen, bin ich sehr froh um diese
Erfahrungswerte.
|
|
Ich
bekam durch die Arbeit gutes Taschengeld und konnte
sagen, dass ich mir das selbst verdient habe, was
andere in dem Alter noch nicht konnten. Allerdings
habe ich dieses Geld nicht zusammenhalten können.
Ich habe nie gelernt, mit Geld umzugehen und so
war es genauso schnell wieder ausgegeben, wie ich
es in den Händen gehalten hatte. Meist ging
es für LEGO drauf. Ich weiß auch nicht,
warum genau, aber ich habe mir immer Legosteine
gewünscht, wie sie sie eine Freundin von mir
hatte.
Es
waren die ganz normalen, bunten Steinchen ohne irgendwelchen
Firlefanz. Ich wollte einfach Häuser bauen.
Heute könnte ich mir vorstellen, dass ich mir
einfach meine Kindheit kaufen wollte und mir ein
Zuhause schaffte mit diesen Häusern. Außerdem
liegt es mir generell wohl in den Genen. *lach*
Denn meine beiden Onkel und mein Großvater
haben Schreiner gelernt und dass ich später
auch in diese Branche ging, verwundert mich eigentlich
nicht.
Mit 14 Jahren war meine Mutter am
Ende und auch so in Schulden verstrickt, dass sie
die Weinstube aufgeben musste. Sie war einfach kaputt,
wurde von heute auf morgen obdachlos und ich kam
zu meiner Großmutter, die genau 60 Jahre älter
war als ich. Ich konnte mich sicherlich anpassen,
aber generell waren Schwierigkeiten vorprogrammiert.
Vor allem, als die Sache mit den Jungs los ging.
Mein erstes Mal hatte ich schon
mit 13 und ich war auch generell nicht so "prüde"
veranlagt wie viele im Dorf, in das ich ja wieder
zurückgekehrt war mit dem Einzug bei meiner
Oma. Ich schlich mich nachts oft aus dem Haus und
ging ins Juze [Jugendhaus/ Jugendzentrum]. Ich ging
in Discotheken, wenn ich bei meiner Mutter übernachtete
[sie wohnte teilweise im Obdachlosenheim und hatte
dann einen indischen Freund, der mit ihr soff und
ich schlief mit ihr und etwa 20 Indern in einem
Raum, wenn ich unbedingt mal wieder ausgehen wollte
und das von meiner Oma aus nicht konnte].
Meine Mutter bewahrte mich nicht
davor und ich war fest im Glauben, dass mir ja nichts
passiert und dann passierte es doch, was vorauszusehen
gewesen war. Ich wachte einmal in einem der Etagenbetten
nachts auf [meine Mutter lag im Bett nebenan und
schlief ihren Rausch aus], als ich einfach nur Hände
auf meinem Busen fühlte. Ich schob sie beiseite
und da waren sie wieder... ich bin aufgestanden
und in das obere Bett der Etage über meiner
Mutter gelegen und hatte die restliche Nacht Ruhe.
Meine Mutter glaubte mir nicht, als ich ihr das
erzählte. Ich bin heute nicht einmal sicher,
ob sie es nicht wusste, denn ihr Freund hatte sie
selbst schon für 20 Mark an andere Inder verkauft
und damit gedroht, mir etwas anzutun, wenn sie es
nicht mit sich machen ließe. Ich erfuhr davon
erst Jahre später.
Auch war da ein Inder, mit dem ich
mich eigentlich recht gut verstand. Wir waren Freunde
geworden, so dachte ich zumindest in meinem jugendlichen
Leichtsinn. Er sagte einmal, er wolle mit mir schlafen.
Sein Deutsch war gebrochen und ich sagte ihm, dass
ich gerne einmal bei ihm übernachten würde,
aber ich wolle nicht MIT ihm schlafen. Er nickte.
Ob er mich verstanden hatte, weiß ich bis
heute nicht. Ich glaube nicht.
Als
ich diese besagte Nacht dann bei ihm war, gab er
mir harten Alkohol zu trinken. Warum ich so dumm
war.. ich weiß es bis heute wirklich nicht.
Wir knutschten rum, dann wollte ich schlafen, doch
er war in einer Position über mir, dass nicht
mehr viel brauchte und als ich ihn in mir fühlte,
habe ich ihn einfach weggestoßen. Er hat weiteres
gelassen und es war niemals Gewalt im Spiel und
dennoch.. ich hatte es nicht gewollt und es war
definitiv mit ein Grund, dass ich viele Alpträume
hatte und große Probleme mit meiner Sexualität
bekam.
Ich
weiß heute, dass es eine Vergewaltigung war,
wenngleich sie nicht brutal war und auch nicht komplett
vollführt war, aber durch den seelischen Schaden,
den ich heute noch mit mir rumtragen muss, ist es
definitiv so, auch wenn ich immer noch Ausreden
finde und sage, dass er es einfach nicht wusste...
im Endeffekt weiß ich doch, dass es geplant
war. Der Raum war leer, alles war vorbereitet, alle
anderen nicht im gleichen Raum, der Alkohol... alles..
ich wollte es nicht...
Die nächsten Jahre verbrachte
ich damit, mich selbst dazu zu zwingen, mit Männern
zu schlafen. Egal wer, Hauptsache, er gefiel mir.
Nicht wenig oft hatte ich Nervenzusammenbrüche
danach und immer wieder bildete ich mir ein, dass
ich diese Jungs wirklich gern hatte oder gar verliebt
in sie war. Mit 16 zog ich bei meiner Oma aus. Ich
wollte ins Heim, weil es einfach nicht mehr ging,
aber das Jugendamt glaubte, ich könne eine
eigene Wohnung nehmen, nachdem sie eingehend alles
geprüft hatten und auch Rücksprachen hielten.
Ich denke, ich hätte das auch
sehr gut hinbekommen, wenn ich nicht einfach ein
riesiges seelisches Problem gehabt hätte, dass
sich erst in einer Art Kaufsucht äußerte
und danach zu einer Esssucht wechselte. Ich fraß
mich von 70 auf 130 kg. Die ganze Zeit über
hatte ich einen Freund. Ich war sogar mit ihm verlobt.
Heute bin ich sehr dankbar, dass er mich hat aushalten
können, denn ich war aggressiv und bestimmend,
habe Intrigen gesponnen, nur um mir die Leute vom
Hals zu halten, ich brach die Schule ab, ging am
Ende überhaupt nicht mehr aus dem Haus, weil
ich Panik vor den dummen Sprüchen hatte und
er? Er blieb bei mir, ließ sich das alles
gefallen und ich kann heute leider nicht mehr tun,
als zu sagen, dass mir das alles unendlich leid
tut. Ich hätte mich nicht ertragen und es war
weitaus schlimmer, als ich das hier jetzt beschreiben
könnte.
Nur sehr wenige Freunde blieben
mir, auch diesen bin ich sehr dankbar, dass sie
diese Zeit mit durchstanden. Sie konnten nichts
tun, aber sie gingen auch nicht und ohne sie hätte
ich wohl lange keinen Sinn mehr in meinem Leben
gesehen.
In
dieser Zeit starb auch meine Oma. Ich hatte sie
sehr geliebt. Vielleicht konnten wir nicht mit einander
leben, weil der Altersunterschied zu groß
war, aber ich habe sie unendlich geliebt und nach
meinem Auszug damals, war es einfach besser für
uns beide. Wir verstanden uns wieder super und ich
war einmal die Woche bei ihr. Mein Onkel starb ein
Jahr vor ihr an Lungenkrebs. Sie hat den Tod ihres
zweiten Kindes einfach nicht verkraftet und ich
habe ihren noch nicht einmal wirklich bearbeitet
und verdränge weiterhin, dass sie nicht mehr
da ist..
»
nach
oben «
Das
Erwachsenwerden bis heute
Das alles verlief von meinem 16.
bis zu meinem 19. Lebensjahr. Mit 19 Jahren endlich,
brachte mich ein Heft der BARMER dazu, zu erkennen,
dass ich eine Essstörung hatte und ich wandte
mich an meinen jahrelangen Hausarzt, der mir sofort
auch einen Platz in einer Klinik Schwedenstein bei
Dresden besorgte.
Meine Mutter hatte mittlerweile
eine Wohnung, die sie verkommen ließ, einen
anderen Freund, der mit ihr soff und ich versuchte
immer noch dem Glauben nachzuhängen, ich könne
ihr tatsächlich helfen. Es war eine schwere
erste Zeit in der Klinik, denn ich durfte zwei Wochen
keinen telefonischen Kontakt mit zuhause haben,
aber es war gut und ich lernte sehr schnell, dass
ich nichts für meine Mutter tun konnte und
dass ihre Alkoholsucht mit der größte
Auslöser für meine Essstörung war.
Die
Erfolge, die ich aus psychischer und auch körperlicher
Sicht in der Klinik hatte, gaben mir Kraft und den
Willen, wieder weiter zu leben. Ich konnte nicht
alles bearbeiten, denn damals wollte ich noch nicht
wahrhaben, dass ich eine Vergewaltigung erlebt hatte.
Immer wieder dachte ich mir, dass es ja keine Gewalt
war und dass er doch aufgehört hatte, als ich
nicht wollte und... die drei Monate in der Klinik
gingen rum, bevor ich wirklich begriff, dass eben
auch dieses Problem noch zu bearbeiten gewesen wäre.

In diesen drei Monaten habe ich
soviel gelernt, dass es für ein ganzes Buch
selbst ausreichen würde. Das wichtigste möchte
ich hier einmal anführen, vielleicht werde
ich einmal einen Text darüber extra verfassen,
denn das wäre hier einfach zu umfangreich und
ich weiß schon jetzt, dass die wenigsten diesen
Text bis an diese Stelle lesen, denn ich bin schon
auf Seite 6... wollte ich mich nicht kurzfassen?
Komisch, dass ich das Gefühl habe, dass noch
so viele Dinge fehlen. Im Endeffekt würde ich
gern noch viel ausführlicher schreiben, denn
es fehlen wirklich viele Dinge, aber ich muss mich
wohl auf das wichtigste beschränken.
In der Klink wurde mir vor allem
eines klar: Ich musste den Kontakt zu meiner Mutter
abbrechen, wenn ich gesund werden wollte und das
tat ich dann auch. Ich wollte es über die Klinikzeit
so halten, aber es wurde im Endeffekt dann länger,
denn meine Mutter wollte das nicht wahrhaben, dann
kam ihr Sauffreund daher und meinte, die Postkarte
die ich mit der Klinik als Photo geschickt hatte,
sei ein Gefängnis. Sie glaubte das auch noch
und erzählte das im Dorf herum...
Ich habe es erst nach meiner Rückkehr
erfahren, weil meine Tante mich darauf ansprach
und nachfragte, ob das stimme. Ich war sauer.. enttäuscht..
traurig und verstand einfach nicht, wie meine Mutter
das hatte tun können. Sie hatte zudem behauptet,
ich sei wegen Drogen und Prostitution im Gefängnis
gewesen... nichts davon ist wahr. Ich habe mich
weder prostituiert, noch habe ich Drogen genommen
oder verkauft noch war ich im Gefängnis. Ich
konnte es einfach nicht glaube. Ich habe sie zur
Rede gestellt, aber es kamen nur Ausreden und ich
brach den Kontakt gänzlich ab.
Auch lernte ich in der Klinik etwas
über mich selbst. Etwas, das meinen weiteren
Lebensverlauf bestimmen sollte... ich verliebte
mich in ein Mädchen. Ich brauchte nicht lange,
um das zu akzeptieren und auch wenn sie generell
ein anderes im Augen hatte, so hatte ich doch eine
sehr wertvolle Erfahrung und glaubte fortan, dass
ich einfach bi sei. Nun gut. Bin ich bi.. die ganze
Welt steht mir offen *breitgrins* zumindest dachte
ich so über ein Jahr lang.
Als
ich von der Klinik zurückkam, löste ich
die Verlobung zu meinem Freund und tobte mich aus.
Aber nicht mit Frauen, sondern mit Kerlen. Nun..
wieder die Depressionen danach. Immer wieder. Es
war einfach nicht das, was ich wollte. War es nie.
Als ich dann zum ersten Mal etwas mit einem Mädchen
hatte, wusste ich definitiv, was ich denn wirklich
wollte.. und mir wurde sehr schnell klar, dass ich
nicht hetero und auch nicht bi war, sondern nur
und gänzlich Frauen wirklich lieben konnte.
Ich
bin niemand, der groß einen Hehl aus so etwas
macht und ging sehr offen damit um. Zu dieser Zeit
hatte ich schon seit ein paar Monaten einen schwulen
besten Freund und der war mir generell eine sehr
große Hilfe. Wir hatten eine sehr schöne
gemeinsame Zeit miteinander, hatten viel Spaß
und haben viel erlebt. Irgendwann lebte es sich
auseinander, was mir sehr nachging, aber es ging
einfach nicht mehr. Ich merkte hier, dass einen
besten Freund zu verlieren, schlimmer als jeder
Liebeskummer war...
Nach
der Klinik hatte ich die Schule zuende gemacht.
Leider habe ich es nicht bis zum Abi abwarten wollen
oder können, weil ich Geld verdienen musste
und so bewarb ich mich, arbeitete in der Zeit dann
auch nebenher und als ich dann meine Ausbildungsstelle
bei IKEA bekam, war ich überglücklich.
In
meinem Leben waren mir in dieser Zeit nur
ein paar wenige Dinge wichtig: Meine Ausbildung,
meine Clique, das Atlantis [Stammdiskothek,
in der ich dann mittlerweile auch nebenher
arbeitete] und sonst nichts. |
|
Ich hatte in dieser Zeit dann auch
endlich meine erste, wirklich feste Freundin [Es
gab einige dazwischen, doch diese konnte man so
nicht bezeichnen]. Leider war es nicht das richtige
und ich hätte das eigentlich von Anfang an
wissen sollen oder habe es wohl auch gewusst, nur
wollte ich es nicht wahrhaben. Nach 10 Monaten konnte
ich dann endlich meinem Entschluss, Schluss zu machen,
standhalten. Vorher hatte sie mich immer wieder
dazu gebracht, nachzugeben. Ich hatte eine schöne
Zeit mit ihr, aber irgendwann stritten wir uns mehr,
als dass wir uns verstanden und wir waren uns einfach
zu ähnlich oder auch zu verschieden, als dass
es hätte gut gehen können.
Auch konnte ich in dieser Zeit einen
kleinen Freundeskreis aufbauen, als die Clique sich
langsam in alle Himmelsrichtungen verstreute, was
mir sehr weh tat. Von diesem Freundeskreis sind
die besten Tim und Björn geworden. Wir hatten
soviel gemeinsam und wir verstanden uns fast ohne
zu sprechen. Es ist unbeschreiblich, wie tief diese
Freundschaft ging und wie viel sie mir bedeutete
und heute noch bedeutet.
Tim
und ich zogen zusammen als WG, ich brachte ihn als
AZUBI auch bei IKEA rein und wir hatten eine sehr
harmonische und schöne Zeit. Irgendwann dann,
hatte er einen Freund und ich lernte Neve kennen.
Wir lebten uns nach zwei Jahren vollkommen auseinander,
obwohl wir immer noch ohne Worte kommunizieren konnten.
Es war dennoch einfach nicht mehr dasselbe, was
wohl an beiden Seiten lag.
Ich
habe Fehler gemacht und er zog sich zurück
und er hat Fehler gemacht, die ich einfach so nicht
akzeptieren konnten und mich weg drängten,
was ich dann aber erst merkte, als er tatsächlich
auszog, um seine erste eigene Wohnung zu nehmen.
Da ich mit Neve zusammenziehen wollte, war das dann
in Ordnung. Erst wollten wir eine Dreier- oder gar
eine Vierer-WG machen, aber Tim traf die richtige
Entscheidung, in dem er einfach sein eigenes Ding
durchziehen wollte. Heute weiß ich das, damals
tat es sehr weh.
Die Freundschaft mit Tim ist zwar
noch da, aber sie ist sehr abgekühlt. Es tut
fast weh, dass es so ist, aber wir werden sehen,
was in den nächsten Jahren ist. Im Augenblick
geht jeder seiner Wege und wir sehen uns vielleicht
2 oder 3 mal im Jahr. Es ist in Ordnung und sicher
auch besser so. Zumindest für unsere momentan
etwas angespannte Lage. Mit Björn ist der Kontakt
immer noch da. Dieser ist mal mehr, mal weniger,
aber im Augenblick möchte ich ihn doch als
meinen allerbesten Freund bezeichnen.
Ich habe vor einigen Jahren sehr
scharf aussortiert und verstanden, was Freundschaft
eigentlich ist und es sind nicht sehr viele Leute
übrig geblieben, die ich auch wirklich einen
Freund bezeichnen möchte. Drei von ihnen wohnen
zudem sehr weit weg und die anderen haben alle ihr
eigenes Leben, so wie ich, so dass nicht mehr so
gross der Kontakt da ist, aber wenn, dann ist es,
als wäre nie eine Pause dazwischen gewesen...
Vor wenigen Jahren habe ich auch
wieder Kontakt zu meiner Mutter aufgebaut. Durch
den Alkohol hatte sie einen schweren Schlaganfall
und ihr Gehirn ist zu einem Grossteil beschädigt,
so dass sie sich an sehr viele Dinge nicht mehr
erinnern kann, glücklicherweise fast nur an
die wirklich schlechten Dinge, die ich ihr auch
ersparen möchte. Sie hat das Trinken aufgehört,
weil ihr gesagt wurde, dass das nicht gut für
sie sei, und durch die Schäden im Hirn konnte
sie das sehr gut unterbringen und hat seit dieser
Zeit keinen Tropfen mehr getrunken.
Sie ist nicht therapiefähig
durch die Schäden und hat Epilepsie, wohnt
in einem Betreuungsheim und es geht ihr gut soweit.
Sie ist eine Freundin für mich geworden und
sie hat verdammtes Glück gehabt. Ich hoffe,
sie bleibt mir noch lange erhalten. 2004 hatte sie
ihren 60. Geburtstag und hat im Heim einen sehr
feinen Kerl kennengelernt - Wolfgang - der sie abgöttisch
liebt. Er ist ein paar Jahre älter als sie
und sie haben vor, vielleicht noch einmal zu heiraten..
es ist schön, dass zumindest hier eine Art
HappyEnd entstand.
Soviel zu 26 Jahren Vergangenheit
*lächel* Ist noch wer da?
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