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[- Kapitel VII - Einfach nur Liebe -]

 

2001-02-27

Wie soll ich auf etwas hinarbeiten, was ich mir wünsche, wenn ich doch weiß, dass mein Wunsch aussichtslos ist? Für was soll ich mich entscheiden zwischen einer Sicherheit und dem Wunsch, der sich nicht erfüllen wird?

Eine ewig unglücklich bleibende Sicherheit zwar, aber unbestreitbar doch eine Sicherheit. Wie soll ich aber dann wissen, was ich will, wenn ich dem Wollen nicht folge? Sollte ich nicht, wie jeder andere Mensch auch, darum kämpfen? Um meinen Wunsch kämpfen, auch wenn ich nie siegen werde? Ist Liebe denn ein Kampf?

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© Celeste Peters

Muss Liebe denn immer ein Kampf sein? Warum kämpfen ohne Ziel? Warum nicht kämpfen, wenn ich doch unzufrieden bin, trotz der Sicherheit, die ich habe? Ist diese Sicherheit denn wirklich eine Sicherheit, wenn ich nicht glücklich werden kann? Ich liebe diese Sicherheit. Ich liebe die Person, die sich hinter dieser vermeintlichen Sicherheit verbirgt. Und doch ist es nicht die Liebe, die mich vollkommen ausfüllt, die mich glücklich macht. Es ist nicht die Liebe, die eine wahre Liebe, wie ich sie schon erleben durfte. Es ist zweifellos Liebe, aber eine andere, ganz andere Liebe, eine von den unendlich vielen Arten von Liebe. Eine besondere. Auf jeden Fall eine besondere Liebe, wie jede Art von Liebe besonders ist. Genau wie der Mensch, der sich hinter ihr verbirgt. Ein Individuum.

So verschieden die Menschen sind, so verschieden ist die Liebe, die man für sie empfindet. Und je mehr ein Mensch zu einem passt, desto intensiver und glücklicher ist die Liebe, die man für diesen Menschen empfindet. Ich liebe also lebe ich. Aber sollte ich nicht auch glücklich leben? Einen Menschen finden, den ich so sehr liebe, dass ich in guten und auch weniger guten Zeiten, nur des Gefühls wegen glücklich sein kann. Mal ganz abgesehen von all dem Drumherum. Diese Liebe wäre doch auch Sicherheit. Warum sollte ich also nicht um sie kämpfen? Habe ich solche Angst vor dem Verlust, der gewohnten, gegenwärtigen Sicherheit? Warum?

Ich bin und werde doch nicht glücklich. Ich weiß, diese Liebe ist endlich. Absolut. Und dennoch kann ich nicht davon sprechen, dass sie keine Zukunft hat, denn nichts Gegenwärtige hat keine Zukunft. Nicht, solange es nicht abgeschlossen ist. Denn Zukunft ist ein relativer Begriff. Ein Begriff, der nicht nur die sprichwörtliche Zukunft meint, sondern auch die Stunde, die Minute, die Sekunde nach der Gegenwart. Die Zeit läuft ständig. Innerhalb von nicht einmal einem Augen-blick, leben wir in der Gegenwart und sogleich ist es Vergangenheit und das zukünftige Gegenwart. Fortlaufend. Und mit jedem Gedanken, kommen neue Gedanken und dadurch Erkenntnis. Und mit jeder Erkenntnis entwickeln wir uns weiter und mit jeder Weiterentwicklung haben wir gerade noch gegenwärtige Gedanken in die Vergangenheit geschickt und den vorher noch nicht gewussten Gedanken von der Zukunft in die Gegenwart geholt... und immer so fort.

Und wenn sich doch alles so schnell ändern kann, warum dann auch nicht ein hoffnungsloser Wunsch in einen erfüllbaren oder auch nur möglichen. Und wenn dieser Wunsch auf einmal möglich erfüllbar wäre, warum dann nicht darum kämpfen? Warum an der Vergangenheit festhalten? Warum davon ausgehen, dass es immer ein hoffnungsloser Wunsch bleiben wird? Vielleicht wird er ja erst dann möglich, wenn ich beginne zu kämpfen. Doch dann die Frage: aber was, wenn nicht? Was, wenn er trotzdem hoffnungslos bleibt?

Und schon wieder stehe ich am Anfang, obwohl ein Teufelskreis weder Anfang noch Ende haben kann. Wie komme ich dann aber in einen Teufelskreis, wenn der doch keinen Anfang hat, denn irgendwo muss es doch anfangen. Die menschliche Denkweise ist so beschränkt, dass alles einen Anfang und ein Ende haben muss. Vielleicht ist das aber gar nicht so. Haben nicht schon so einige vor mir und vor denen daran gezweifelt, dass alles einen Anfang oder ein Ende haben muss? Warum sollte gerade ich mich dieser vermeintlich beschränkten Denkweise anschließen, wenn es doch anders sein könnte?

Wenn nicht die Unendlichkeit Theorie ist, sondern das Anfang-Ende-Spiel. Doch wieder sehe ich mich am Anfang ohne der Lösung meines Problems auch nur ein Stück näher gekommen zu sein. Vielleicht aber doch. Denn vielleicht gibt es nicht nur Anfang und Ende, sondern auch unendlich. So mannigfaltig alles ist, warum sollte hier nur eines existieren? Gehört es auch zur menschlichen Beschränktheit, dass nur eines von beiden existieren kann? Warum soll es nicht einen Platz für beides geben? Ist denn gerade nicht auch die unendlich große Liebe ein Widerspruch in sich, weil sie zwar unendlich gross ist, aber doch ein Ende haben kann?!

Und warum sollte ich nicht kämpfen? Kann es denn wirklich nicht möglich sein, dass ein aussichtsloser Wunsch sich in einen möglichen, ja, sogar in einen tatsächlich erfüllbaren Wunsch verwandelt? Und auch wenn er das nicht kann, nicht mit dieser gemeinten Person, so kann sich doch dieser Wunsch sich einmal mit einer anderen Person erfüllen. Was weiß ich denn, wem ich noch begegne? Aber was ist dann mit der Sicherheit, die ich doch habe und auch auf eine bestimmte Art und Weise liebe? Ich bin doch glücklich, diese Sicherheit zu haben, auch glücklich mit der Person, die dahinter steht. Doch was heißt glücklich, wenn man nicht zusammen passt?

Glücklich eben mit dem was ich habe, auch wenn es bei weitem nicht das ist, was ich mir wünsche. Kann es denn so unfair sein, diese Sicherheit, diese Person zu lieben, auch wenn ich ganz andere Wünsche habe? Jedenfalls für den Moment? Solange, wie es Zukunft hat, auch wenn nicht unendlich? Auch wenn ich weiß, dass diese Zukunft irgendwann ein Ende hat?

Goethe soll einmal gesagt haben, wer die Liebe endlich glaubt, hat nie recht geliebt. Aber ich glaube die Liebe nicht als Endlichkeit. Ich glaube an die unendlich scheinende Liebe, ich glaube an sie und doch lebe ich sie nicht. Ich liebe unendlich, aber jemanden, bei dem es ein Wunsch bleiben wird. Und ich habe diese Sicherheit, diese Liebe, die nicht unendlich scheint. Die auch genauso wenig unendlich ist. Warum diese Sicherheit aufgeben? Warum nicht um die unendliche Liebe kämpfen? Warum nicht einfach die Sicherheit, solange genießen wie sie Zukunft hat und trotzdem um die unendliche Liebe kämpfen? Warum nicht beides? Warum soll das nicht gehen?

Ist es denn so egoistisch, wenn ich mit offenen Karten spiele und die Entscheidung abgebe, ob mir die Sicherheit bleibt oder nicht? Und warum sollte ich nicht annehmen, wenn die Sicherheit in meinem Leben bleibt, obwohl sie weiß, dass da noch mein Wunsch nach der unendlichen, noch nicht erfüllten Liebe ist? Ich bin doch ehrlich. Hält Ehrlichkeit nicht am längsten? Warum soll es unfair sein, wenn ich die Sicherheit trotz des Wunsches nicht aufgebe? Ich habe doch nicht entschieden, dass es so läuft.

Ja, ich habe mich um die Verantwortung gedrückt, diese Entscheidung zu treffen und auch noch wahr zu machen. Aber wo ist der Fehler, das Falsche, das Unfaire, wenn doch so jeder bekommt, was er im Grunde will. Nicht vollkommen und ganz, aber doch das Eigentliche. Warum soll das nicht richtig sein? Wer darf denn behaupten, was richtig ist und was falsch, wenn es sich um Liebe handelt? Wer hat denn ein Recht zu entscheiden, was richtig und was falsch ist in der Liebe? Doch nur die Liebenden selbst, denn jede Art von Liebe ist einzigartig und niemand außer den Liebenden hat ein Recht zu urteilen, hat ein Recht zu richten.

Wenn doch die Betroffenen sich einig sind, den Kompromiss auf beiden Seiten zu akzeptieren, dann kann doch nichts daran falsch sein, wie die Entscheidung ausfällt oder wer sie getroffen hat. Und warum sollte ich dann ein schlechtes Gewissen haben? Warum habe ich dann ein schlechtes Gewissen? Warum? Lässt sich nicht jeder Mensch in der Liebe in gewisser Weise von einer Art Egoismus leiten? Ein Egoismus, der nötig ist, um auch nur annähernd glücklich zu sein. Es ist einfach nur menschlich, Wünsche zu haben, um sie zu kämpfen und doch nebenher aus purem Egoismus oberflächlich gesehen ganz widersprüchlich zu handeln.

Dieser gewisse Egoismus macht mich glücklich und ich schade niemandem wirklich, solange ich nicht nur egoistisch denke, handle und bin. Wenn ich trotz allem Nehmen auch genauso viel geben kann, ohne mich selbst zu betrügen, ohne mich selbst zu verletzen und ohne den anderen zu verletzen oder zu belügen, dann kann es nicht schlecht sein. Nicht, solange es eine Zukunft gibt, nicht solange beide soweit mit der Bindung einverstanden sind, wie es jedem selbst möglich ist.

Man kann nicht immer hundertprozentig glücklich sein. Es ist sehr unwahrscheinlich oder sagen wir selten, dass man hundertprozentig glücklich in der Liebe ist. Dafür gibt es zu viele verschiedene Arten von Liebe. Und die einzig wahre Liebe heißt nicht, dass es nur eine Person auf der Welt gibt, die man so sehr, so unendlich scheinend, so ausgefüllt liebt und lieben kann. Genauso wenig gibt es die einzig wahre Liebe nur in einer Erscheinungsform. Dafür sind die Menschen einfach viel zu verschieden, auch wenn sie sich in vielem ähneln, sie sind und bleiben Individuen. Genau wie die einzig wahre Liebe ein Individuum ist und bleibt, sooft sie auch kommen oder nicht kommen mag.

2001-02-27 © Sirpa Weiler

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