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[- Kapitel VI - Einfach nur Vertrauen -]

 

2001-08-13

Warum versuchen die Menschen immer wieder ihre Fehler zu verdecken, in dem sie andere anlügen. Sie lügen, um nicht doof da zu stehen, oder zu zeigen, dass sie auch ganz anders sein können, als sie wirken. Sie möchten nicht zugeben, dass sie auch ganz andere Seiten haben, die man von ihnen nicht erwartet. Sie haben einfach Angst, dass sie das Vertrauen, dass ihnen entgegengebracht wird, verlieren, wenn sie die Wahrheit sagen. Dabei übersehen sie, dass es viel schlimmer ist, wenn sie versuchen zu vertuschen... mit Lügen und Ausreden versuchen zu vertuschen. Oft gelingt es, manchmal nur zu einem gewissen Punkt und einige wenige Male misslingt es kläglich.

 

Freundschaft & Vertrauen

Doch um sich dann heraus zu reden, bedarf es noch mehr Lügen, denn es liegt in der menschlichen Natur, dass nur die wenigsten den Mut haben, dann oder überhaupt von Anfang an zu ihren Fehlern absolut zu stehen. Viele geben zu einem gewissen Teil ihren Fehler zu, doch nur bis dahin, wo sie glauben, dass es noch nicht so schlimm ist. Der Rest wird verschönt oder einfach als Gerücht abgetan. Und somit glauben sie, ehrlich gewesen zu sein. Doch im Grunde, haben sie nicht einfach einige Tatsachen weggelassen, sondern wieder gelogen, um diese Tatsachen wegzuwischen...

Ich finde es traurig, dass es gerade unter Freunden dazu kommen kann. Sicherlich kann man nicht verlangen, dass man alles anvertraut bekommt, doch kann man verlangen, nicht angelogen zu werden. Zu sagen, "ich möchte nicht darüber reden" zeugt von Ehrlichkeit, doch zu sagen, "es ist nichts" oder gar Geschichten zu erfinden, um von der Tatsache abzulenken, damit man nichts zugeben muss oder nicht über etwas reden muss, ist einfach nur Lüge.

Es ist die Lüge, die aus Angst entspringt. Angst vor Konfrontation, Angst vor Streit, Angst den anderen zu verletzen, Angst davor, das Vertrauen des anderen zu verlieren. Eine Freundschaft, in der dies passiert, dürfte noch nicht fest genug sein, egal wie sehr man daran geglaubt hat, denn wenn man wirklich glaubt, mit Ehrlichkeit und der Wahrheit, das Vertrauen eines anderen zu verlieren, dann kann das eigene Vertrauen in die andere Person nicht sehr gross sein. Freundschaft geht nicht davon kaputt, dass man Fehler gemacht hat, die die Freundschaft vielleicht irgendwie belasten können. Sicherlich können sie belasten, wenn die Wahrheit zugegeben wird und sicherlich kann man nicht erwarten, das der Freund hoch erfreut über die Tatsachen sein wird.

Aber Belastung und Auseinandersetzung, ein Streit oder Meinungsverschiedenheiten durch diese Tatsache, die man am liebsten verschweigen würde, können eine Freundschaft nicht zerstören und schon gar nicht das Vertrauen, denn ein echter Freund ist trotz allem anderen dankbar, die Wahrheit zu erfahren und zu wissen, dass der andere ehrlich zu ihm ist, egal wie heftig es sein mag, was man liebsten für sich behalten möchte.

Es zeigt einfach den Respekt voreinander und es zeigt, dass der Freund ehrlich ist, obwohl er befürchten müsste, die Freundschaft würde zerbrechen oder das Vertrauen anknacksen. Ein wahrer Freund ist ehrlich genauso wie er die Freundschaft niemals beenden würde, wenn ein Freund zu ihm ehrlich ist, egal um was es sich auch handeln mag. Es ist die Ehrlichkeit nicht die Sache, um die es geht, auf was es ankommt. Ehrlichkeit zeigt Vertrauen und Ehrlichkeit in jeder Situation zeigt, wie sehr man wirklich vertraut und wie wichtig es einem ist, eine ehrliche Freundschaft zu führen, egal was auf dem Spiel steht.

Jeder von uns machte, macht oder wird diese Erfahrung mindestens einmal machen, dass er am liebsten verschweigen würde, was vorgefallen ist oder er getan hat oder gesagt oder dergleichen ähnliches. Man kommt nicht drum herum, in solche Situationen hinein zu schlittern und meist in einer Zeit, in der es sowieso nicht einfach ist im Leben. Und meist genau in dieser ungünstigen Zeit, in der man es nicht riskieren kann, das Vertrauen eines Freundes zu erschüttern. Es ist keine Böswilligkeit, es zeigt, dass man einfach die Freundschaft schützen möchte, weil man sehr viel wert auf den Menschen legt, mit dem man die Freundschaft führt. Es mag vielleicht egoistisch sein, aber es liegt vor allem im menschlichen Urinstinkt, gewisse Angelegenheiten zu vertuschen, um nicht Preis zu geben, dass man auch eine weniger gute Seite hat.

Aber diese weniger gute Seite hat jeder mehr oder weniger in sich und es zeugt von reiner Selbstverachtung, ob bewusst oder unbewusst sei dahin gestellt, wenn man seine Fehler, Macken oder Taten vertuschen möchte, einfach um nicht vertrauensunwürdig zu scheinen, denn im Grunde ist man nicht vertrauensunwürdig. Man glaubt, die Menschen, denen man es erzählen würde, denen gegenüber man ehrlich wäre, würden einem nicht mehr vertrauen, schlecht über einen denken und vielleicht sogar Abstand von einem nehmen oder sogar anderen davon erzählen und so mit seinen "guten Ruf" ruinieren.

Man denkt an die Konsequenzen, die entstehen könnten, wäre man ehrlich und man hat Angst davor, dass ein dermaßen falsches Licht auf einen fällt, dass man lieber schweigt. Man steigert sich hinein und bekommt solche Angst vor dieser Angst, dass man sogar noch Ausreden vielleicht sogar richtige Lügen erfindet, wenn man darauf angesprochen wird, weil man doch nicht so gut vertuschen konnte, wie man es gerne gesehen hätte. Fragen von Freunden, die die Wahrheit gerne wissen möchten und einfach auf Ehrlichkeit hoffen, weil sie vertrauen. Sie ahnen, doch sie wissen es nicht. Sie haben Vertrauen, also fragen sie. Und dieses Vertrauen wird genau in dem Moment missbraucht, in dem sie angeflunkert werden, man ihnen Ausreden erzählt oder schweigt, obwohl man die Chance gehabt hätte zu erzählen.

Die ganze Angst, das Vertrauen des Freundes bei der Wahrheit zu verlieren, wird nun erst berechtigt, denn erst als man log, erst als man absichtlich unehrlich wurde, hat man das Vertrauen tatsächlich verletzt. Doch Freunde wären nicht Freunde, wenn sie es nicht wieder und wieder und wieder und vielleicht ein fünftes Mal versuchen würden, die Wahrheit zu erfahren. Dieses immer und immer wieder und auch dieses fünfte Mal sind Chancen, sind der Hinweis auf: "Du kannst es mir immer noch sagen, ich bin Dir nicht böse, weil Du das erste oder zweite oder dritte mal gelogen oder mir etwas vorgeflunkert hast. Sei doch einfach ehrlich zu mir und wir können das gemeinsam regeln. Deswegen sind wir doch Freunde."

Es ist irgendwann einfach auch das Flehen: "Ich hab’ Dich doch lieb, warum bist Du nicht ehrlich zu mir? Bitte sei es doch wenigstens jetzt, ich möchte Dich nicht verlieren, doch wenn Du weiterhin so tust, als wüsstest Du von nichts, mir weiterhin Ausreden auftischst, dann ist mein Vertrauen in Dich wirklich enttäuscht und ich kann nichts anderes mehr tun, als mich umzudrehen und gehen, weil ich Dir einfach nicht mehr vertrauen kann..."

Doch diese Sprache zwischen den Fragen kann man nicht mehr lesen, weil man glaubt, sich mit seinen Ausreden noch viel mehr hineingeritten zu haben. Jetzt zurück zu gehen und ehrlich zu sein, hieße, man würde zugeben gelogen zu haben, seinen Freund angelogen zu haben. Und auf einmal ist man sich absolut sicher, dass der Freund dies schon gar nicht verzeihen würde. Man glaubt, es wäre dann um so schlimmer und schweigt weiter, ohne zu sehen, dass es dieses Zurück noch gibt, ohne zu sehen, dass man sich jetzt mehr dahin bewegt, das Vertrauen des Freundes zu verlieren als es zu schützen, zu respektieren und zu ehren.

Man hat immer noch die Chance auf das Zurück, auf das "doch die Wahrheit sagen", doch man nimmt sie nicht wahr, weil man nicht begreift, dass es alles andere als zerstörend wäre, doch noch ehrlich zu sein. Und irgendwann ist es dann soweit, dass es dieses Zurück nicht mehr gibt, denn das Vertrauen des Freundes ist endgültig missbraucht. Er spürt pur, dass man kein Vertrauen zu ihm hatte und er zieht dann auch seines zurück. Dann gibt es das "Zurück" wirklich nicht mehr und ehe man das begreift, ist es wirklich zu spät... um es dann VIELLEICHT wieder gut machen zu können, braucht man eine mächtige Portion Glück und den erkennbaren Willen, diesen Fehler wirklich nie wieder zu machen...

Brich nie ein Band der Freundschaft unüberlegt entzwei.
Willst Du es dann wieder binden, ein Knoten bleibt dabei...

~ Verfasser unbekannt ~

Wenn Du die Menschen kennenlernen möchtest, dann achte nicht auf ihre Lügen, sondern auf die Mittel, die sie verwenden, um sie zu vertuschen.
~ Verfasser unbekannt ~

Um auf einen kleinen Fazit nicht zu verzichten, möchte ich eines gesagt haben: Ehrlichkeit, egal um was es sich handelt, und auch wenn sie nicht sofort kommt, ist immer das, was eine Freundschaft zu einer wahren Freundschaft macht. Denn Ehrlichkeit zeigt wahres Vertrauen und eine wahre Freundschaft lebt allein nur durch wahres Vertrauen! Wahre Freundschaften zeigen sich allmählich dadurch, dass man irgendwann kaum noch die Angst hat, ehrlich zu sein.

Doch sobald einer dieses Vertrauen ausnutzt, in dem er es immer wieder und irgendwann absichtlich mit unbedachten Handlungen belastet, weil er sich so sicher ist, dass der Freund immer zu ihm halten wird, wird die Freundschaft genauso heftig zerstört und das Vertrauen ausgelöscht, wie wenn man es so lange verheimlicht, bis das die vielen unzählbaren Chancen, doch noch die Wahrheit zu sagen, versiegen und der Freund sich enttäuscht abwendet, sich umdreht und geht.

Es ist die Kunst der Balance zwischen Vertrauen und Ehrlichkeit, Wahrheit und Zeit, die eine wahre Freundschaft ausmacht. Wenn diese Balance existiert dann gibt es nichts, was diese Freundschaft auseinander bringt. Absolut nichts!

Und am Rande gesagt: Wenn man nicht ehrlich ist, dann betrügt man sich selbst, denn man wird geliebt, als einen Menschen, den man versucht darzustellen, in dem man die schlechte Seite nicht preisgibt. Doch ist es ausfüllend für etwas geliebt zu werden, das man im Grunde nicht ganz ist? Ich glaube kaum...

2001-08-13 © Sirpa Weiler

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