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Gedanken
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Kapitel II - Einfach nur Gedanken -]
2001-04-17
Ich wünschte, sie würde
klingeln. Einfach unten vor der Tür stehen,
klingeln und ihren Namen durch die Gegensprechanlage
nennen. Ich drücke den Summer und sie kommt
die Treppe hinauf auf mich zu. Ich stehe an der
Tür und bin fassungslos. Sie ist wirklich gekommen,
mein Wunsch hat sich wirklich erfüllt.
Sie lächelt mir ein Hallo zu
und ich lasse sie in mein Zimmer, immer noch ganz
benebelt, dass es wirklich sie ist, die zu mir kommt.
Ich war in ihren Gedanken, als sie zu mir fuhr,
aus welchem Grund auch immer, sie ist zu mir gefahren,
wollte mich allein sehen. Und nun sitzt sie am Fußende
meines Bettes und ich weiß nicht wie ich reagieren
soll, habe fürchterliche Angst, etwas falsches
zu sagen, obwohl sie es ist, die zu mir kam, etwas
von mir will. Sie sollte etwas sagen... ich weiß
nicht, ob sie der Mensch ist, der anfangen kann.
Warum ist sie hier? Was will sie
mir sagen? Sie ist doch nicht nur einfach so vorbeigekommen.
Es gäbe keinen Grund, dass sie das wollte.
Zuviel ist vorgefallen. Zuviel Entfernung hat sich
abgespielt, eine zu hohe Mauer hat sich zwischen
uns aufgebaut, als dass sie einfach nur vorbeikommen
würde, nicht zu mir, nicht einfach so. Was
wird passieren, was wird sie sagen, was möchte
sie mir sagen, über was möchte sie mit
mir sprechen. Ich bin so glücklich, dass sie
hier ist, hier bei mir, doch genauso sehr habe ich
Angst vor dem, was sie mir sagen möchte und
sagen wird. Deswegen ist sie ja hier und sitzt am
Fußende meines Bettes.
Ich biete ihr etwas zu trinken an
und schiebe den Aschenbecher in ihre Richtung. Eine
Zigarette hat schon immer irgendwie geholfen. Da
haben wir etwas gemeinsam, beide rauchen und das
nicht wenig. Hoffentlich hat sie nicht auch noch
„was“ zu rauchen dabei, was, wenn sie
mich einladen will, mit ihr eine Tüte zu rauchen,
was mache ich dann? Ich werde immer geil, wenn ich
platt bin und sie ist hier bei mir, hat auch was
geraucht, sie ist bei mir, auf meinem Bett und niemand
sonst ist da... was wird passieren, ich will es
mir gar nicht ausmalen... Soll ich fragen, ob sie
etwas bestimmtes hören will? Nein, besser nicht,
sie ist sicherlich nicht zum Musikhören zu
mir gekommen und sitzt sicherlich nicht deswegen
auf meinem Bett und raucht eine Zigarette.
Was möchte sie? Warum sagt
sie nicht endlich etwas? Vielleicht sollte sie lieber
nichts sagen, vielleicht will ich gar nicht hören,
was sie mir sagen möchte. Vielleicht würde
es die ganze Situation nur noch schlimmer machen.
Aber sie ist doch nicht der Mensch, der einfach
so vorbeikommt, wenn er etwas derartiges, was ich
lieber nicht hören will, sagen möchte.
Das würde sie situationsbedingt tun an einem
neutralen Ort. Ja, aber was möchte sie dann?
Sie hat doch gesagt, dass ich keine Chance habe.
Sie wird es sicherlich nicht anders überlegt
haben. Aber was will sie dann... bei mir... mit
mir... von mir... Was wenn sie sagt, sie sei einfach
so vorbeigekommen? Soll ich ihr sagen, dass ich
das nicht glaube?
Aber wenn ich sage, dass ich ihr
das nicht glaube, wird sie mich fragen, wieso und
ich würde sagen müssen, wegen allem, was
geschehen sei... Aber was, wenn sie doch einfach
nur so vorbeigekommen ist? Was, wenn sie einfach
Lust dazu hatte, mich zu besuchen und ein bisschen
zu labern? Einfach nur so, weil sie damit zeigen
will, dass für sie das Thema erledigt ist und
wir einfach wieder miteinander auskommen als wäre
nichts geschehen...
Aber es ist doch was gewesen, kann
sie denn so einfach darüber hinweggehen? Natürlich,
sie kann, sie hat ja nicht dieselben Gefühle
wie ich, ist einfach nicht verliebt, so wie ich
es in sie bin. Sie kann und ich traue ihr zu, dass
sie dazu fähig ist, ich habe sie als eine Frau
kennengelernt, die ihren Gefühlen und Gedanken
nur sehr schlecht Ausdruck verleihen kann. Warum
sollte sie dann ausgerechnet mit diesem Thema zu
mir kommen, um darüber zu sprechen... nein,
das würde sie nicht tun. Niemals. Genauso wenig,
wie sie einfach so vorbeikommen würde... ein
Wunschtraum... eine Phantasie wie viele in meinem
Herzen, in meinen Gedanken. In Wirklichkeit sitze
ich hier an meinen Schreibtisch und bin allein.
Höre Musik, die meine Gedanken nicht unbedingt
zuversichtlicher macht und versinke fast in Selbstmitleid,
würde ich diese Art von Gefühl in meinem
Kopf zu lassen...
Ich hoffe, sie klingelt, aber heute
ist das unwahrscheinlich und auch an keinem anderen
Tag ist es wahrscheinlicher als heute... Niemals
wird es so sein und ich werde noch oft hier sitzen
und warten, warten auf etwas, das nicht passieren
wird. Niemals passieren wird, passierte und passiert,
niemals.
2001-04-17
© Sirpa Weiler
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