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[- Selbstverständlichkeiten -]

 

Es ist überraschend wie oft man von jemandem hört: "Hey, vielen Dank" - das allerdings für etwas, das selbstverständlich ist und das sage ich dann auch, bekomme aber prompt zu hören, dass das ganz sicherlich nicht selbstverständlich gewesen wäre. Das ist eine Tatsache, die mich immer und immer wieder erschreckt, denn ist es heute tatsächlich so, dass Kleinigkeiten und Freundlichkeiten nicht mehr selbstverständlich sind?

Eigentlich müsste ich nicht fragen, denn ich kenne die Antwort, so wie sie jeder von uns kennt: Ja, es ist eine Seltenheit geworden, ein "Bitte" oder ein "Dankeschön" zu hören oder auch einmal einen Gefallen erwiesen zu bekommen, ohne darum bitten zu müssen. Für mich sind das Freundschaftsgesten, die für mich einfach dazugehören, egal um wen es sich letztendlich handeln mag.

Der freundliche Grashüpfer - Selbstverständlichkeiten

Woran liegt es, dass einfache Gefallen oder Freundlichkeiten keine Selbstverständlichkeiten mehr sind? Ich wurde dazu erzogen, dass ich freundlich bin, dass ich danke sage und bitte und auch dazu, dass ich auch mal einfach so etwas für jemanden machen, wenn ich weiß, dass derjenige sich freuen würde oder Hilfe braucht, auch wenn er nicht darum bittet.

Muss man auf eine Einladung warten? Und auch wenn man jemanden um Hilfe bittet.. es ist gar nicht selten, dass man genau am Verhalten des anderen merkt, dass er so gar keine Böcke darauf hat, auch nur einen Finger krumm zu machen. Und ich rede hier nicht von Ausnahmebitten, sondern von reinen Selbstverständlichkeiten. Es wirkt meist, als würde der andere gezwungen und nur widerwillig hilft er, wenn überhaupt.

Anders herum gesagt, kann ich einiges von meiner Ausbildung zum Besten geben: Ein Kunde kommt und möchte gerne etwas umtauschen, ohne dass die Ware beschädigt oder dergleichen anderes wäre. Aus Kulanz bietet das Geschäft diesen Service an und kümmert sich hervorragend um den Kunden und seine Bedürfnisse, aber wehe es geht einmal nicht nach Nase des Kunden.

Er vergreift sich meist so schnell im Ton, dass man im ersten Augenblick gar nicht nachvollziehen kann, was man jetzt falsch gemacht haben soll, doch bald merkt man, dass es einfach der Kunde ist, der sich darauf eingestellt hat, dass sein Wunsch wohl nicht erfüllt werden kann. Es scheint, als habe er seinen Text auswendig gelernt, den er einem dann entgegenschreit und es ist nicht selten ein Schreien, was mich anfangs immer wieder sehr erschrocken hat. Nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Häufigkeit, denn selten passiert das wahrlich nicht.

Wenn man 5 aggressive Kunden am Tag hat, ist das noch wenig und dabei hat man wirklich alles versucht, dem Kunden weiterhelfen zu können, war dazu freundlich, zuvorkommend und auch kompromissbereit doch der Menschheit scheint mittlerweile anerzogen zu sein, dass man die ganze Hand nimmt, wenn man einen Finger hingestreckt bekommt [und es ist in diesem Falle eher so, dass sie eine Hand hingehalten bekommen, aber nach dem ganzen Arm greifen und daran zerren].

Es ist einfach unbeschreiblich und die Geschichten sind eine unglaublicher als die andere. Außenstehende können das meist gar nicht nachvollziehen und ich bewundere alle Leute, die im Kundenservice arbeiten, denn sie haben einen wirklich harten Job, dem Anerkennung gebührt [Ich musst das glücklicherweise nur 6 Wochen lang tun]. Das kann so sehr an den Nerven zerren, dass man glaubt, so sehr in eine Ecke gedrängt zu werden, dass man weder vor noch zurück weiß. Unbeschreiblich - wirklich.

Der Kunde sieht es als Selbstverständlichkeit an, dass er Kulanzen bekommt und glaubt, er habe ein Recht auf Erfüllung dieser Kulanzen. Und eben so sieht es auch im privaten Umgang mit Menschen aus. Sie glauben, dass alles selbstverständlich ist, sie sich dafür aber nicht mit einem hier wirklich selbstverständlichen Danke revangieren müssten. Es ist lediglich ein Wort und dennoch bekommen sie es nicht über die Lippen. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich bin sehr enttäuscht von der Gesellschaft unserer Zeit und es ist mit ein Grund, warum ich mit der Menschheit nur noch das Nötigste zu tun haben will. Sie sind mit ihrem Niveau weit unter meinem und das kann ich sagen, ohne überheblich zu klingen, denn es ist eine ganz selbstverständliche Tatsache.

Glücklicherweise gibt es immer noch Menschen, die ähnliche Ansichten haben wie ich und für die Freundlichkeit dazu gehört wie das ein- und ausatmen. Mit Freundlichkeit ist man schon immer viel weiter gekommen, als mit Aggression, aber Leute, die kein Rückrad haben, glauben, sie müssten sich mit Lautstärke und scharfen Worten Respekt verschaffen. Meinen haben sie definitiv nicht, sie bewohnen die unterste Schublade meines Denkens und dennoch bleibe ich freundlich.. selbstverständlich - was nicht heißt, dass ich lügen würde, wenn sie nach meiner Meinung über sich fragen würden, aber man kann auch Kritik freundlich anbringen und sollte das auch, sonst trägt sie keine Früchte.. selbstverständlich nicht, wie auch? - Wenn man angeblafft wird, denkt man sich im Hinterstübchen ja berechtigterweise einfach: "Du kannst mich mal!"

Ich werde diesen Text sicherlich noch irgendwann weiter ausführen, doch um diese Uhrzeit bin ich nicht mehr ganz so fähig und ich möchte gerne noch etwas mehr Bespiele sammeln, damit ich mir nichts aus den Finger saugen muss.

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